Sonntag, 11. August 2019

Liebe und Ehr'


Das nachfolgende Gedicht ist ein Loblied für das schöne Erdfleckchen Mecklenburg-Vorpommern und entstand auf der Grundlage des Liedes "Ännchen von Tharau":


Mecklenburg-Vorpommern, gütlich vereint.
Stolz steht zusammen, was lange entzweit.
Über dir waltet die schützende Hand,
dich zu bewahren, du herrliches Land.
Dir gilt mein Sinnen, all' Liebe und Ehr'.
Mecklenburg-Vorpommern, blühend und hehr.

Freiheit und Würde stehn Seite an Seit'.
Wider die Waffen mit tapferem Schneid.
Frieden im Herzen, welch sicherer Schild.
Frieden im Lande, welch köstliches Bild.
Dir gilt mein Sinnen, all' Liebe und Ehr'.
Mecklenburg-Vorpommern, blühend und hehr.

Allzeit gerecht ist dein Trachten und Tun.
Mutiger Fortschritt dein Brot und dein Ruhm.
Zukunftsgewandt geht dein innerer Blick,
trägt deinen Namen zu äußerem Glück.
Dir gilt mein Sinnen, all' Liebe und Ehr'.
Mecklenburg-Vorpommern, blühend und hehr.

Wogen und Wellen erquicken die Seel'.
Wälder und Wiesen sind samtenes Öl.
Sprudelnde Quellen. Die Luft gar so rein.
Möchte dein ewiger Wanderer sein.
Dir gilt mein Sinnen, all Liebe und Ehr'.
Mecklenburg-Vorpommern, blühend und hehr.

Grenzenlos frei, europäisches Blut.
Ode der Freude, die nimmermehr ruht.
Aller Welt offen und heimatlich treu -
welch ein so süßes, so süßes Gebräu.
Dir gilt mein Sinnen, all Liebe und Ehr'.
Mecklenburg-Vorpommern, blühend und hehr.

Sind auch die menschlichen Mächte begrenzt,
bleibt deine Schönheit doch lorbeerbekränzt.
Über den Hügeln, dem ebenen Land,
waltet ja treulich die schützende Hand.
Dir gilt mein Sinnen, all Liebe und Ehr'.
Mecklenburg-Vorpommern, blühend und hehr.


(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 23. Juli 2019

zerwühlt



Die wilde Nacht eilt pantherschnelle
auf heißem Fuß ins Tageshelle
und krabbelt demutbuckelig
ins ehewarme Nest zurück
samt schwerer Lüge im Gewissen,
die scharfzähnig sich festgebissen.

Vier Worte, rasch dahingeschrieben,
mehr ist vom Feuer nicht geblieben:
"Es tut mir leid." ...... Es tut dir leid???
Ein Fetzen Blatt. Ein Hauch von Zeit.
Der Raum geschwängert noch von Lüsten
und Zweifeln, die im Dunkel nisten.

Schon reißt der Abgrund seinen Rachen,
und aus der Tiefe dringt ein Lachen
gleich einem höhnischen Gesang:
"Du schwaches Fleisch! Du schwacher Wille!"
Die Scham durchbohrt die Lasterhülle.

Der Schmerz, den sie zurückgelassen,
sitzt fragend in dem tränennassen
zerwühlten Traum und blutet aus
nach dem so heimlichen Reißaus.
Und Bußgewand und Seelennöte
verschwinden in der Morgenröte.


(c) Bettina Lichtner

Montag, 22. Juli 2019

Wimpernflug


Die Wimper fällt, und zart und sachte
tupft sie der Zeigefinger auf.
Das Götzenspiel nimmt seinen Lauf,
denn aus den Seelengründen brachte
der Wunsch sich in den Tageslauf.

Die Lippen geben sich verschwiegen.
Die Augenlider sind gesenkt.
Was immer der Gedanke denkt,
er wird sich nur im Odem wiegen,
der bald der Wimper Richtung lenkt.

Noch harrt die Wimper ihres Fluges
und weiß ja nicht, wie ihr geschieht.
Der Wunsch, der im Verborgnen blüht,
sitzt auf dem Thron des Atemzuges,
der mit ihm in die Ferne zieht.

Ein liebevolles Pusten, Hauchen,
dann öffnet sich die Ewigkeit,
nimmt Traum und Wimper aus der Zeit,
sie in Vergesslichkeit zu tauchen
und schenkt sie der Unendlichkeit.

Die Wimper fällt, fällt immer wieder.
Der Finger tupft sie wieder auf.
Das Götzenspiel nimmt seinen Lauf,
es senken sich die Augenlider,
und wünschend flieht der Tageslauf.


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 18. Juli 2019

Schmetterlinge & Zitronen



Zitronen tropfen von den Lippen.
Dein Wort von Säure ganz zersetzt.
Die Liebe möcht' vor steilen Klippen
ein einzig Mal vom Kuss noch nippen,
eh ihr der Tod den Stoß versetzt.

Doch tausend Wächter richten Waffen
auf eine weiße Flaggenflut,
das Glückliche hinwegzuraffen.
Die Narbe bricht und Wunden klaffen.
In toten Meeren wallt das Blut.

Die Dornen drücken ihre Speere
in alte Krusten, voller Lust.
Die Lüge sammelt ihre Chöre
und heftet gar mit Ruhm und Ehre
sich falsche Siege an die Brust.

Auf Fässer fallen letzte Tropfen,
und rauschend stürzt die Nacht zu Tal.
In Eile will die Hoffnung stopfen
was hoffnungslos, doch Teufel klopfen
ans Höllentor der Seelenqual.

Wo einst das Stroh zu Gold gesponnen,
liegt Spreu vom Weizen nun getrennt.
Das Gestrige gibt sich gewonnen.
Das Morgen aber scheint zerronnen
auf treibsandigem Fundament.

Der Abschied spannt die Schmetterlinge
ins Zaumzeug der Vergänglichkeit.
Doch flatterhafte Nachkömmlinge
- es liegt in der Natur der Dinge -
bestäuben bald ein neues Kleid ...


(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 17. Juli 2019

erschienen im Weser-Kurier am 14.7.2019:


(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 14. Juli 2019

Der kleine Seestern



In der Meerestiefe träumt der kleine Seestern ganz allein,
wie 's wohl wäre, könnte er des Nachts ein Stern am Himmel sein.
Eine Fee kommt wie gerufen und durchschaut den stillen Traum,
trägt den Seestern aus den Wellen in den unendlichen Raum.

Setzt ihn sachte zu den andren in die sternenklare Nacht,
haucht ihm Leben, dass er leuchtet in noch nie gekannter Pracht.
Nur die Angst vor hoher Höhe wird dem Kleinen zum Problem,
doch das Schweben in der Weite findet er recht angenehm.

Er sieht runter auf die Erde, die so nah und doch so fern,
die so lieblich wie ein Apfel, doch mit Fäulnis im Kern.
Ja, ihm ist, sie leidet Schmerzen nach barbarischer Tortur.
Und ihm ist, als würd' sie seufzen: "Ach, was tun die Menschen nur ..."

Nur zu gut verstand der Seestern, was die arme Erde meint.
Er lag selber oft am Boden und hat bitterlich geweint,
weil das Meer, das einst so blaue, fremdverseucht mit Gift und Müll.
Und dann fragte er den Herrgott, ob es das ist, was er will.

Doch der Mensch, des Teufels Diener, zeigt nicht Ehrfurcht noch Respekt.
Seine habgierigen Werke haben Land und Meer befleckt.
Aus dem Weltall sieht der Seestern die Natur in größter Not,
und war traurig und verzweifelt übers Bild, das sich ihm bot.

Und er mochte nicht mehr leuchten auf die ach so kranke Welt,
wo man einem nur gehorchte: dem zerstörerischen Geld.
Und die Fee kam wie gerufen, trug den Stern zurück ins Meer.
Bleiern sank er in die Fluten, weil vor Gram das Herz ihm schwer ....


(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 2. Juli 2019

Ross & Reiter



Früher war doch alles besser!
Keine Autos, sondern Rösser.
Kein Verkehrslärm, keine Raser,
sondern tierische Vergaser,
die im Trab und galoppierend
ihre Reiter treu chauffierend,
zu den fernsten Zielen ritten,
selbst bei rauen Wettersitten.

Feine Kutschen hinter Hufen
kamen Herrschaften gerufen.
Bei der Fahrt durch die Oase
wehte Frischluft um die Nase.
Keine Staus und Parkplatznöte,
nur bisweilen Stoßgebete,
wenn sich Räuber tückisch nahten
und gar grob um Schätze baten.

Die hufklappernden Motoren
brachten eiligst die Doktoren
auch zu kritischsten Momenten.
Wenn den Tod Sekunden trennten,
schnalzte hart des Kutschers Zunge
und des armen Pferdes Lunge
kam ins grenzwertige Keuchen,
die Patienten zu erreichen.

Mittels Kutsche fanden Briefe
dank erschwinglicher Tarife
ihren Weg in Haus und Hände,
und erzählten vielleicht Bände,
und umgarnten und liebkosten,
oder logen und erbosten,
waren Weinen und Betrüben
oder Lieben, Lieben, Lieben.

Wenn die Kutschenräder brachen,
waren derb zuweil' die Sprachen.
Doch das Fluchen war nichts nütze!
Lag der Karren in der Pfütze,
hieß es, Ärmel hochzuschieben
und sich in Geduld zu üben,
auch die Gäule einzufangen,
die vor Schreck im Kreise sprangen.

Kutschenfahrten, oft rasante,
galten damals als brisante,
denn mit ungeteerten Straßen
war bei weitem nicht zu spaßen.
Schlagloch oder Stock und Steine
waren wahrlich ungemeine,
unvergessliche Torturen
und bedeuteten Blessuren.

Ja, man wurde arg gerüttelt
und recht kräftig durchgeschüttelt.
War der Kutscher gar betrunken
und hat stark nach Schnaps gestunken,
mussten Gast und Pferde leiden,
doch ich möchte hier vermeiden,
mir solch Fahrten vorzustellen
oder Urteile zu fällen.

Ihres Dienstes längst entbunden,
ist die Kutsche nun verschwunden,
Ross und Reiter sind Geschichte.
Heute heißt es Fahrzeugdichte,
und den Bleifuß auf Pedalen.
Mit den blechern Rossen prahlen,
und auf asphaltierten Wegen,
sich mit andren anzulegen.

Dröhnen heut' statt Pferdewiehern.
Volk von Tempoüberziehern
- also somit Egomanen -
tummelt sich auf Autobahnen,
und sogar in Zone dreißig,
und missachtet dabei fleißig
jede Pflicht und jede Grenze,
jenes auch in voller Gänze.

Ach, wie war 's doch früher besser
als es Kutschen gab und Rösser!
Der Planet hat nicht gelitten,
kam der Kutscher angeritten.
Grüne Lungen zur Genüge,
alles der Natur zum Siege.
Doch der Fortschritt stand nicht stille,
und nun seht die Leidensfülle ....


(c) Bettina Lichtner

Samstag, 22. Juni 2019

Überall Plastik


Zwischen Löwenzahn und Klee
frisst sich Plastikmüll durchs Grüne.
Ganz egal wohin ich seh,
steht das Plastik auf der Bühne.
Selbst im blauen Ozean
und im See gleich um die Ecke,
bleibt im dichten Plastikwahn
der Fisch auf der Strecke.

Überall Plastik !!
Und wir machen die Augen nicht auf.
Dieses Drama nimmt ganz still seinen Lauf,
und wir nehmen ohne Aufschrei in Kauf,
dass die Erde, unsre einzige Welt,
unterm Plastik zerfällt.

Der Planet ist ein Idyll,
und er dürstet so nach Liebe.
Stumm erträgt er unsren Müll,
unsre alltäglichen Hiebe.
Seine Schätze, unsre Gier
passen einfach nicht zusammen.
Darum steht er da und hier
in warnenden Flammen.

Überall Plastik !!
Und wir machen die Augen nicht auf.
Dieses Drama nimmt ganz still seinen Lauf,
und wir nehmen ohne Aufschrei in Kauf,
dass die Erde, unsre einzige Welt,
unterm Plastik zerfällt.

Vieles scheint aus der Balance,
manches aus dem Takt geraten.
Wir vergeben Chance um Chance,
doch wir wären gut beraten,
dieser Erde Freund zu sein,
denn wir haben nur die eine.
Darum sei kein Umweltschwein!
Du weißt, was ich meine.

Überall Plastik !!
Und wir machen die Augen nicht auf.
Dieses Drama nimmt ganz still seinen Lauf,
und wir nehmen ohne Aufschrei in Kauf,
dass die Erde, unsre einzige Welt,
unterm Plastik zerfällt.


(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 19. Juni 2019

Manchmal wünscht' ich mir ....



Manchmal wünschte ich, ich wäre wieder Kind.
Ohne Sorgen alle Tage auf Entdeckungsreise sein.
Wo die Beine mir heut' müd' geworden sind,
würd' ich hüpfen, springen, rennen, wäre ich nur wieder klein.
Meinen Träumen gäb' ich Flügel,
meiner Stunde gäb' ich Zügel,
dass sie mit mir durch die Märchenwälder ritt.
Ich ständ' lachend vor dem Spiegel,
allem Kummer gäb' ich Prügel,
wenn er wieder mit der Lebensfreude stritt.
Ach, das Leben wär' so herrlich unbeschwert,
weil es sich nicht um das Größerwerden schert.

Wenn ich Kind wär', wär' der Wagemut mein Freund.
Über Zweifel oder Ängste hätt' ich niemals nachgedacht.
Was ich sagte, hätt' ich immer so gemeint,
denn mein Herz hätt' ohne Denken seine Pforten aufgemacht.
Meine Augen würden sehen,
was sie heut' nicht mehr verstehen,
und die Ohren hörten jedem Vogel zu.
Ich würd' zwischen Stühlen gehen,
tanzend mich im Regen drehen,
mit dem Abenteuer wäre ich per Du.
Ach, das Leben wär' so herrlich unbeschwert,
weil es sich nicht um das Größerwerden schert.

Jeden Morgen spräng' ich freudig aus dem Bett,
zöge was die Hände griffen über meinen kleinen Leib.
Mit den Sonnenstrahlen säng' ich im Duett,
immer Neues zu entdecken wär' mein liebster Zeitvertreib.
Bunte Blumen würd' ich pflücken,
mich nach Pfennigstücken bücken,
sie bespucken, denn das bringt bekanntlich Glück.
Frei von Päckchen wär' mein Rücken,
keine Kreuzlast würd' mich drücken,
ich genösse ganz und gar den Augenblick.
Ach, das Leben wär' so herrlich unbeschwert,
weil es sich nicht um das Größerwerden schert.

Auf den Rollschuh'n durch die warme Sommerzeit,
und im Winter mit dem Schlitten Furchen durch die Landschaft zieh'n.
Vor dem Weihnachtsmann recht brav im schönsten Kleid.
Und die Ostereier suchen im noch zarten Frühlingsgrün.
Zwieback in die Milch eintunken,
und dabei in mir versunken,
nicht zu wissen, was der Ernst des Lebens ist.
Ich hätt' völlig freudetrunken
jedem Schmetterling gewunken,
und ich wüsste nichts von einer Lebensfrist.
Ach, das Leben wär' so herrlich unbeschwert,
weil es sich nicht um das Größerwerden schert.

Manchmal wünschte ich, ich wäre wieder Kind.
In Geborgenheit gebettet und von Liebe ganz umhüllt.
Dass die Lebenszeit mir durch die Finger rinnt,
wär' ein unbekannter Fleck auf meinem farbenfrohen Bild.
Wo sich Lust und Laune küssen,
würd' die Seele nimmer wissen,
dass die schönste Reise auch ein Ende hat.
Und sie ahnt' nichts vom Vermissen
aller kindlichen Kulissen,
und ihr Lebenshunger tränk' sich ewig satt.
Ach, das Leben wär' so herrlich unbeschwert,
weil es sich nicht um das Größerwerden schert ....


(c) Bettina Lichtner

Freitag, 14. Juni 2019

geboren & geschreddert



Küken, männlich, frisch geboren?
Schade, nichts kann schlimmer sein!
Grün noch hinter zarten Ohren,
wirft man dich zum Schredder rein.

Gottgeschöpf! Mir bricht die Seele!
Gar zu hart ist das Gericht,
das des Menschen Räuberhöhle
über deine Stunde spricht.

Kaum geschlüpft aus dünner Schale,
sieht man dir nach dem Geschlecht.
Hast du Mannesgenitale,
bist du schon des Todes Knecht.

Auf dem Fließband in die Hölle
ist das Schicksal, das dir blüht.
Kleingehäckselt auf der Stelle,
ohne Sinn, zudem verfrüht.

Panisch rufst du nach der Mutter,
die im Massenstall nichts ahnt,
während sie ihr täglich Futter
pickt und nichts als futtern plant.

Du möcht'st fliegen, möchtest springen,
möchtest fliehen - aber ach,
flügellos wird 's nicht gelingen,
du bist wehrlos und zu schwach.

Unaufhaltsam naht dein Ende,
dass nicht schlimmer enden könnt'.
Grausam walten Menschenhände,
wenn das Geld ihr Fundament.

Und dann fällst du in den Trichter -
und dein Blick fragt still "WARUM"?
Selbst der allmächtige Richter
bleibt bei diesem Machwerk stumm ...


(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 12. Februar 2019

Kuckucks Hirngespinst



Der Kuckuck auf dem Lindenstrauch
ruft dreimal KUCKUCK, dann noch KUCK,
hält inne, hat ein Weh im Bauch,
nimmt einen großen Rebenschluck
und gurgelt ihn im Halse rum.
Dann fällt er jäh nach hinten um.

Fällt ins verwelkte Blättermeer,
verdreht die Augen drei-, viermal,
man dünkte schon, er wär' nicht mehr
(gestorben nach Vergiftungsqual),
da flattert er nach kurzer Rast
zurück auf seinen Ausgangs-Ast.

Und hockt da mit Gedächtnisschwund.
Er wisse nicht mehr, wer er sei.
Schon treibt die Mutmaßung es bunt
und flüstert ihm so mancherlei.
Er selbst indes glaubt recht geschwind,
er sei ein armes Menschenkind:

"Ich arme menschliche Natur!
Es drängte mich so hoch hinaus,
doch kam ich gänzlich aus der Spur.
Und Hochmut löst das Fallen aus!
Der Ruhm, nach dem mein Herz gegiert,
hat mich zum morschen Ast geführt.

Ein morscher Ast statt Thron und Gold.
Von unten höhnt die weite Welt:
"Nun hast du wohl zu viel gewollt.
Dein Henkersmahl ist schon bestellt.
Wird oben erst der Atem dünn,
sind Glanz und Glorie bald hin."

Und schon zerreißt mich manches Maul.
Die Schadenfreude spannt das Netz.
Mir wird die Zunge redefaul
bei dieser Übermacht an Hetz'.
Geprügelt mit dem Richterstab
ersehne ich das kühle Grab.

Ich knüpfe mir den Galgenstrick."
Da fliegt ein Uhu ihm zur Seit':
"Ein Hirngespinst bringt selten Glück."
Dann riss er ihn am Federkleid,
und gab ihm einen herben Schlag,
dass er benommen nieder lag.

Und als der Schreck vorüber war,
trat die Erleichterung ins Spiel
und stellte unverbrüchlich klar,
dass er dem Wahn zum Opfer fiel.
Er sei kein Mensch, sei nicht verlacht,
sei Kuckuck bloß, der Kuckuck macht.

Da fiel ein Stein, wohl felsengroß,
mit lautem Knall vom Kuckucksherz
in Mutter Erdens' stillen Schoß,
und Kuckucks' Dank ging himmelwärts.
Und die Moral aus dem Gedicht?
Das Morsche hält den Hochmut nicht.


(c) Bettina Lichtner

Freitag, 11. Januar 2019

Turteln bleibt nicht ohne Folgen



Es fühlten einst zwei Turteltauben
sich zueinander hingezogen.
Weit übers sittliche Erlauben
ist ihre Lüsternheit geflogen.

Des Himmels Allmacht hat 's gesehen,
und schwieg zum bunten Liebestreiben.
Was hinter Busch und Strauch geschehen,
wird selten ein Geheimnis bleiben.

Die Herzen klopften gar so wilde,
die Küsse waren Glut und Feuer.
Man führte Schmutziges im Schilde,
und wähnte sich im Abenteuer.

So sicher wie das Kirchen-Amen,
war auch der Stachel im Gewissen!
Denn auf das Turteln folgten Dramen,
zudem das Sich-Erklären-Müssen.

Die Turteltauben waren nämlich
einander gar nicht zugesprochen.
Die Lust, die Lust. Es ist schon dämlich,
wird durch die Lust ein Eid zerbrochen.

Der Trau-Altar weiß zu berichten,
dass manches "bis der Tod uns scheidet"
sich einreiht in die Truggeschichten,
weil's Turtelspiel das Band zerschneidet.

Der Turtelherr macht Turtelfrauen,
die Turtelfrau den Turtelherren,
den Hof und lässt die Absicht schauen,
sich keiner Schandtat zu versperren.

Besessen von dem Seitenspringen,
vergaßen sie die Ehepflichten.
Vorm Scheidungsamt dann Händeringen,
mal Rosenkrieg, mal letztes Schlichten.

Doch schlau wird keine Turteltaube.
Das Turteln ist ja nicht von Dauer.
Der Saft aus dieser faulen Traube,
schmeckt bis zum Lebensende sauer.


(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 8. Januar 2019

Nur ein Sandkorn



Was ist der Mensch? Was ist er noch?
Er wähnt sich königlich, und doch ...
Befleckt und unrein sein Gewissen!
Man wird sich seiner schämen müssen.

Er mordet, wo er morden kann.
Er, der die Waffen selbst ersann,
führt Kriege seit der ersten Stunde,
als sei der Teufel mit im Bunde.

Er wendet Gott den Rücken zu,
verlor darob die Seelenruh',
und glaubt sich selber Herr des Lebens,
doch sucht sein Glück seither vergebens.

Von Neid und Habgier arg geplagt,
bleibt ihm ein friedvoll' Herz versagt.
Im Klatsch und Tratschen ganz versunken,
gibt er sich allzeit lügestrunken.

Der Hochmut hat ihn fest im Griff.
Kein Diamant. Kein feiner Schliff.
Ein Sandkorn nur. Nur eins von vielen.
Was lässt ihn bloß als König fühlen???


(c) Bettina Lichtner