Samstag, 29. Dezember 2018

Auferstanden aus der Tiefe



Der Dichter und das leere Blatt ---
ein stundenlanges Ruhetreiben.
Es fühlt die Schreibfeder sich matt
und möchte unbeansprucht bleiben.
Der Geist, er sinnt und sinnt und sinnt,
wobei der Stirn der Schweiß entrinnt.

Es will der Reim nicht auf den Reim,
der Klang nicht auf die Note passen.
Zwar pflanzt der Dichter manchen Keim,
doch keiner möchte Wurzeln fassen.
Und lauernd liegt das Blatt Papier,
und wartet auf das Feingespür.

Die Flüche fliegen durch den Raum.
Dem Dichter fehlen Geistesblitze.
Das Fluchen aber hilft ihm kaum.
Da drängt sich durch die Wolkenritze
das erste Wort ins Rampenlicht,
und gibt dem Werk ein Angesicht.

Jetzt ward die Quelle angezapft.
Allmählich fängt sie an, zu sprudeln.
Da kommt der Missmut angestapft,
das Kleid der Freude zu besudeln
mit ungestümer Wörterwahl.
Der Dichter leidet Höllenqual.

Er geht zum Fenster, öffnet 's weit.
Sein Atem sucht die Kraft der Tiefe.
Wann endlich wird der Geist gescheit
und tut nicht mehr, als ob er schliefe?
Und da, wie von Gespensterhand,
fällt Regen auf das dürre Land.

Es blüht, es sprießt, es scheint und strahlt.
Die Muse küsst die blaue Tinte,
ihr Liebesspiel macht sich bezahlt.
Sie wähnen sich als Gleichgesinnte,
und zeichnen zu des Dichters Freud'
ein Bildnis voller Heiterkeit.

Schon liegt das Werk vollendet da
und suhlt sich in der süßen Tunke.
Was eben keine Hoffnung sah,
ward urplötzlich ein Götterfunke.
Auf einem leeren Blatt Papier
stand jetzt auf gleich das Glück Spalier ....



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 13. Dezember 2018

Vater, du vergisst mich



Ach, mein Vater, deine Worte sind verwirrt.
Die Gedanken sind zerstreut, und meinen Namen weißt du nicht.
Gestern Ziele, heute in der Welt verirrt.
Und ich sehe lauter Fragen auf dem ängstlichen Gesicht.
Die Erinnerungen schleichen
sich davon, und auf den Weichen
fährt der alte Zug verloren durch die Zeit.
Ein Verblassen und Verbleichen.
Ungebremstes Segelstreichen.
Das Gedächtnis steht auf einmal ohne Kleid.

Meine Tränen halte ich vor dir versteckt.
Du erkennst nicht deine Tochter. Eine Fremde nennst du mich.
Die Vergesslichkeit hat alles zugedeckt.
Ich erzähle von den Stunden, als das Glück das Herz bestrich,
doch du weißt nicht, was ich meine.
Meine Welt ist nicht die deine.
Die Momente, die wir teilten, sind dir neu.
Und so stehe ich alleine
mit den Schätzen in der Scheune
meiner Seele, und die Wehmut eilt herbei.

Alte Fotos aus den Tagen, da wir jung,
sind für dich schwarzweiße Bilder einer unbekannten Welt.
Und ich schwärme von dem längst vergangnen Schwung
deiner Kraft und deiner Freude, hoffend, dass der Groschen fällt.
Und du lauschst den Zeitgeschichten,
doch den Nebelschleier lichten,
bleibt der Mühe und der Zuversicht versagt.
Wenn die Nächte sich verdichten
und Erinnerungen flüchten,
hofft der Sonnenstrahl vergeblich, dass es tagt.

Will nicht glauben, dass du, Vater, mich vergisst.
Mein Verstand möcht' mir verzweifeln, möcht' verteufeln, was geschieht.
Ich bin hilflos, weil die Krankheit dich zerfrisst.
Ich bin hilflos, weil die schöne stolze Rose still verblüht.
Dich allmählich zu verlieren,
nicht mehr väterlich zu spüren,
nährt die Traurigkeit und scheucht die Ängste auf.
Wärme hinter alten Türen,
doch davor ein Herzgefrieren.
Nur die Liebe trotzt dem finsteren Verlauf.

Nur die Liebe! Das ist alles, was mir bleibt.
Dich zu lieben, liebster Vater, ist die gottgeschenkte Macht.
Wenn die Krankheit mich aus deinem Kopf vertreibt,
werd' ich lieben dich bei Tage, doch besonders deine Nacht.
Deiner Dunkelheit tief drinnen
will ich Liebe abgewinnen.
Eine Liebe, die so tief, wie nie zuvor.
Will 's Erinnern auch zerrinnen,
lass uns neu damit beginnen.
Gott bewahre mir, was ich an dir verlor ...


(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 9. Dezember 2018

Der Kunde und das Tier


Blutig, saftig, kross und scharf .....
Rind, das wird dein Schicksal sein!
Bist nur "Fleisch", und bei Bedarf
legt man dich süßsauer ein.

Wenn du erst geboren bist,
nimmt das Elend seinen Lauf.
Kurz ist deine Lebensfrist
von Geburt bis zum Verkauf.

Weil der Kunde nach dir giert,
und nicht von dir lassen will,
wirst du schändlichst malträtiert,
und der Kunde hält fein still.

Denn er kümmert sich nicht drum,
ob du leidest, wann und wie.
Er bleibt blind und taub und stumm
und nennt Tierschutz Hysterie.

100 Gramm gemischtes Hack,
Schinken, Speck und gern Filet ---
Kunde liebt den Fleischgeschmack,
und vergisst gern Schmerz und Weh.

Stopft sich Leichenteile rein
früh bis spät für wenig Geld.
Und im Stall das arme Schwein,
möchte nie geboren sein.

Kälber, Lämmer, Pferde auch,
und Geflügel aller Art ---
alles füllt des Kunden Bauch,
bis man ihm im Grab verscharrt.

Massenställe, Foltertour,
Metzger ohne Feingefühl,
und dazu rund um die Uhr
Schlachttransport zum Todesziel.

Fleischessern ist ganz egal,
was den Tieren widerfährt.
Jedes Wort zur Höllenqual
bleibt von ihnen ungehört.

Für die Welt im Massenstall
wird sich gar nicht interessiert.
Fleisch ist ein Stück Tötungsfall ---
Fleischesser bleibt unberührt.

Aber wehe, aber weh',
wenn der Kunde Aua hat:
wie ich ihn dann jammern seh',
ach, wie fühlt er sich so platt.

Husten, Schnupfen, Heiserkeit,
Zahnweh gar und Magen-Darm?
Kunde windet sich im Leid,
geht ins Bett und hält sich warm.

Dass das Nutzvieh in der Mast
mehr noch als er selber litt,
ist ein Wort, das ihm nicht passt,
und das ihn mit mir zerstritt.

Wer dem Kunden schnurstracks sagt,
dass er kein Gewissen hat,
hat aufs Dünne sich gewagt,
und der Frieden liegt schachmatt.

Blut nicht nur an Metzgers Hand.
Blut auch an des Kunden Mund.
Blutdurchtränkt sind Stadt und Land,
blutdurchtränkt das Erdenrund.

Fleisch ist ein Stück Lebenskraft
nur solang' es lebend ist.
Fleischesser, du hast geschafft,
dass dein Hunger Wälder frisst.

Abgeholzt wird Baum um Baum
für die Tierfleischproduktion,
doch den Kunden kümmert 's kaum.
Er braucht seine Fleischportion.

Dass das Klima Schaden nimmt
sei erfunden, sei ein Fake,
sei ein Märchen, das nicht stimmt,
eine Lüge, ein Mistake.

Fleischesser! Du Egoist !
Du bist Schuld an alledem.
Weil du fleischverlangend bist,
wird 's auf Erden unbequem.

Umdenken ist angesagt,
sonst ist alle Chance vertan.
Wer mich nach der Lösung fragt,
sag' ich laut: Esst rein VEGAN.


(c) Bettina Lichtner im Namen aller von Menschenhand geschundenen Tiere. Die Lösung muss vegan sein !!!