Donnerstag, 7. Juni 2018

Die Wetterpille



Den Menschen ist nichts recht zu machen:
erst lechzen sie nach Sonnenstrahlen,
dann strömt der Groll aus ihrem Rachen,
wenn sie sich in der Hitze aalen,
weil 's gar zu heiß ist alle Tage.
Fürwahr eine verzwickte Lage ....

Und wenn sich graue Wolken zeigen
und wochenlang der Regen schüttet,
beklagen sie den nassen Reigen,
der ihre Pläne jäh zerrüttet.
Auch Eis und Schnee und Sturmgetöse
stimmt sie bei langer Dauer böse.

Sie mögen keine Kapriolen,
da spielt der Kreislauf ihnen Streiche.
Derweil genießt ganz unverhohlen
das Eichhorn in der prallen Eiche
die wechselhaften Wetterseiten,
die weiter nichts als nichts bedeuten.

Ein Klimawandel sei im Gange,
wird querfeldein und -aus vermutet.
Man wähnt sich in der Wetterzange,
sobald die Flut die Straßen flutet,
sobald die Glut die Saat vernichtet,
die Brise sich zum Sturm verdichtet.

Es ist das Wetter ja im Grunde
bei jedem Treffen federführend.
Sein Treiben ist in aller Munde.
Das erste Wort ist ihm gebührend.
Doch ob wir 's loben oder hassen:
das Wetter bleibt indes gelassen.

Der Mensch, der kleine Naseweise,
nähm' gerne Petrus in die Mangel,
und gibt sich doch mucksmäuschenleise
bei jedem himmlischen Gerangel
um Sonnenstrahl und Regengüssen.
Er wird sich Petrus fügen müssen.

Es ist wie 's ist. Ob wir nun lachen,
ob wir nun loben, jammern, leiden:
Am Wetter kann man gar nichts machen,
als sich entsprechend anzukleiden.
Wer nimmt, wie 's kommt, weilt in der Stille
und schluckt vergnügt die Wetterpille.


(c) Bettina Lichtner



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