Samstag, 5. Mai 2018

Einblicke



Die Kamera des Fotografen
liebäugelt mit dem Jetzt und Hier.
Wo andres Menschen Augen schlafen,
nimmt sie das Leben ins Visier.

Sie fokussiert das Unscheinbare,
das Hungrige im Überfluss,
das Nebulöse und das Klare,
des Daseins bittersüßen Kuss.

Lässt Bilder tausend Bände sprechen,
gibt tausend Bänden ein Gesicht,
lässt Brandungen an Herzen brechen,
und holt die Nacht ans Tageslicht.

Bleibt unberührt bei Freudentänzen,
und ebenso im tiefsten Leid.
Dass Froh- und Trübsinn sich ergänzen,
zeigt sie mit stummer Deutlichkeit.

Sie liebt das Spielen mit dem Feuer.
Dem schönen Schein gibt sie ein Sein.
Sie macht die Welt zum Abenteuer,
und lädt uns zum Entdecken ein.

Wo Hüllen, Masken, Träume fallen,
da hält sie fest, was sich enttarnt.
Und lässt die Zeit die Korken knallen,
ist sie 's, die den Moment umgarnt.

Wo Mindeshaltbarkeiten schwinden,
bewahrt sie für die Ewigkeit.
Dem Ziel, des Pudels Kern zu finden,
folgt sie mit stiller Wachsamkeit.

Sie schreit heraus in tiefem Schweigen.
Dem Pfeil gleich, der schmerzhaft bohrt,
will sie das Abgrundtiefe zeigen,
und braucht dazu nicht Klang noch Wort.

Auch taucht sie gern ins farbenfrohe,
ins bunte, pralle Leben ein,
und lässt die düstere und rohe
Minute mal vergessen sein.

Und doch entgeht ihr noch so vieles
am rechten Ort zur rechten Zeit,
im Kreislauf dieses Lebensspieles
von Werden und Vergänglichkeit .....



(c) Bettina Lichtner

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