Donnerstag, 1. März 2018

"e"


Zwischen Grippe und Gerippe
hockt ja nur ein kleines "e".
Grippelnd tanzt du auf der Klippe
zwischen Grabschlucht und der Höh'.

Und du hustest dir die Lunge
aus dem Leib und hoffst dabei,
dass es bis zum Grabessprunge
noch ein langer Zeitmarsch sei.

Deine kranken Glieder zittern.
Deine Stirn ist schweißgetränkt.
"Kann der Tod mich gar schon wittern?",
ist 's, was dein Gedanke denkt.

Keine Mahlzeit will dir schmecken.
Pfunde sagen dir Adieu.
Malst dir Szenen vom Verrecken
im so fiebrigen Milieu.

Starrst im Bett nur an die Wände,
und dein Reichtum starrt zurück.
Kriegt der Tod dich in die Hände,
ach, was nützt dir dann der Schnick?

Von den Schmerzen jäh bezwungen,
liegst du da, bewegungslos.
Und so legst du notgedungen
deine Hände in den Schoß.

All die Arbeit muss nun warten,
bis die Kraft dir wiederkehrt.
Von dem harten Kern im Garten
hast du vage mal gehört.

An solch jämmerlichen Tagen
hätt'st du gerne Wünsche frei.
Wüsstest auch sofort zu sagen,
was dein Herzbegehren sei:

dass die Mutter zu dir käme,
da zu sein an deiner Seit'
und dir alle Schmerzen nähme
wie in alter Kinderzeit.

Dass sie da wär', dich zu pflegen
mit viel Liebe und viel Herz,
dir die Hände aufzulegen,
dass es lindert deinen Schmerz.

Doch den Kinderschuh'n entwachsen,
kämpfst du mutterseel'allein.
Und du wünschst dir, nie erwachsen,
sondern ewig klein zu sein ...


(c) Bettina Lichtner

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