Mittwoch, 21. März 2018

Aprikosenküsse



"Freiheit, ach, ich seh dich schwinden!",
denkt sich der Gemahl in spe.
Heut' soll er sich ewig binden,
doch im Herzen .... welch ein Winden!
Pfaffe fragt und er schreit NEEEEEEE ....

Durch die Kirche raunt ein Raunen,
und die Braut ist not amused.
Plötzlich spielen die Posaunen,
und die Anwesenden staunen
und sind irgendwie confused.

Den Verlobten schimpft man feige.
Und man wünscht' sich ihn away.
Doch er spielt die erste Geige,
tänzelt unterm Mistelzweige
als der "Hero of the day".

Ihm zur Seite tanzt ein Zweiter,
dann ein Dritter und so fort.
Und der Herr Orchesterleiter
dirigiert recht munter weiter.
Der Gesellschaft fehlt das Wort.

Und die Braut schlägt mit den Rosen
auf die Tanzkumpanen ein.
Jemand öffnet Bier in Dosen:
"Auf das Wohl der Ehelosen!"
Drauf die Braut: "Ihr seid gemein!!!"

Männer in den Kirchenreihen
schmachten nach dem Tropfen Bier.
Mancher möcht' sich gern befreien
aus den Ehe-Plagereien,
und verflucht das Stück Papier,

welches einstmals unterschrieben,
als die Tür ins Schlosse fiel.
Denn vom märchenhaften Lieben
ist ja weiter nichts geblieben
als ein frostiges Gefühl.

"Dieser da, der hat 's verstanden!",
denken sie und feiern den,
den sie eben herzlos fanden.
Frei von allen Ehebanden
fänden sie nur gar zu schön.

Und die argwöhnischen Frauen
merken der Gemahlen Frust.
Und sie stehen auf und hauen
auf die Mannsbilder und schauen
dabei voller Freud' und Lust.

Plötzlich schwebt Herr Jesus nieder:
"Sagt einmal, was macht ihr hier,
meine Schwestern, meine Brüder?
Die Gewalt ist mir zuwider!
Habt ihr gar kein Feingespür?

Eine Kirche dient dem Frieden.
Doch ein Boxring ist sie nicht.
Zählt ihr zu den Liebesmüden?
Habt Ihr euch dazu entschieden,
auszulöschen Gottes Licht?"

Sprach es aus und war verschwunden.
Die Gesellschaft schweigt und reut.
Sitzt ganz ehrfürchtig für Stunden.
Hat derweil ins Herz gefunden,
steht voll Demut Seit' an Seit'.

Der Verlobte kommt zu Sinnen,
nimmt die Hand von seiner Braut:
"Lass uns nochmal neu beginnen!"
Ihre Freudentränen rinnen,
als die Feigheit sich doch traut.

Lachen, Jubel, Bier in Dosen!
Und das Leben mittendrin.
Weißes Kleid und rote Rosen,
Küsse süß wie Aprikosen ....
Liebe ist uns ein Gewinn.



(c) Bettina Lichtner

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