Donnerstag, 22. März 2018

Feind von oben


Über mir ein leichtes Summen!
Falsch beschrieben. Mehr ein Brummen!
Hochgeguckt, entlarvt alt Drohne.
Hängt in grüner Eichenkrone.

Hat sich ungewollt verflogen.
Fühlt ein Specht sich angezogen
von dem ihm so unbekannten,
herzlosen und unbemannten.

Tock, tock, tock, der Specht schlägt Beulen
ins Objekt, es zu zerteilen.
Will den Eindringling verjagen,
geht ihm deshalb an den Kragen.

Schnabel gräbt sich ins Gehäuse
auf recht rabiate Weise.
Schrauben lösen sich, verschwinden.
Schwer, sie jemals je zu finden.

Schnabel reißt in tausend Stücke,
braucht dafür nur Augenblicke.
Endlich ist der Feind erlegen.
Specht zufrieden. Doch, von wegen ...

Mensch kommt näher. Rachgelüste.
Specht nervös. Oh, wenn er wüsste ...
Kugeln fliegen um die Ohren.
Leben, ach, du bist verloren.

Drohne, Specht - nun Himmelskinder.
Mensch, was bist du für ein Sünder!
Drohnen gilt es zu verfluchen.
Haben nichts im Baum zu suchen ....


(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 21. März 2018

Klangfolge



Es weht ein Hauch Melancholie
durch unsre kalten Wintergassen.
Wes Hand nur schenkt die Melodie,
dass alle Sorgen mich verlassen?
Mein Herz streckt suchend seine Fühler,
vom Klang der Töne liebestrunken,
und findet ihn - den Bratschen-Spieler,
in sich und seiner Welt versunken ...


(c) Bettina Lichtner

Aprikosenküsse



"Freiheit, ach, ich seh dich schwinden!",
denkt sich der Gemahl in spe.
Heut' soll er sich ewig binden,
doch im Herzen .... welch ein Winden!
Pfaffe fragt und er schreit NEEEEEEE ....

Durch die Kirche raunt ein Raunen,
und die Braut ist not amused.
Plötzlich spielen die Posaunen,
und die Anwesenden staunen
und sind irgendwie confused.

Den Verlobten schimpft man feige.
Und man wünscht' sich ihn away.
Doch er spielt die erste Geige,
tänzelt unterm Mistelzweige
als der "Hero of the day".

Ihm zur Seite tanzt ein Zweiter,
dann ein Dritter und so fort.
Und der Herr Orchesterleiter
dirigiert recht munter weiter.
Der Gesellschaft fehlt das Wort.

Und die Braut schlägt mit den Rosen
auf die Tanzkumpanen ein.
Jemand öffnet Bier in Dosen:
"Auf das Wohl der Ehelosen!"
Drauf die Braut: "Ihr seid gemein!!!"

Männer in den Kirchenreihen
schmachten nach dem Tropfen Bier.
Mancher möcht' sich gern befreien
aus den Ehe-Plagereien,
und verflucht das Stück Papier,

welches einstmals unterschrieben,
als die Tür ins Schlosse fiel.
Denn vom märchenhaften Lieben
ist ja weiter nichts geblieben
als ein frostiges Gefühl.

"Dieser da, der hat 's verstanden!",
denken sie und feiern den,
den sie eben herzlos fanden.
Frei von allen Ehebanden
fänden sie nur gar zu schön.

Und die argwöhnischen Frauen
merken der Gemahlen Frust.
Und sie stehen auf und hauen
auf die Mannsbilder und schauen
dabei voller Freud' und Lust.

Plötzlich schwebt Herr Jesus nieder:
"Sagt einmal, was macht ihr hier,
meine Schwestern, meine Brüder?
Die Gewalt ist mir zuwider!
Habt ihr gar kein Feingespür?

Eine Kirche dient dem Frieden.
Doch ein Boxring ist sie nicht.
Zählt ihr zu den Liebesmüden?
Habt Ihr euch dazu entschieden,
auszulöschen Gottes Licht?"

Sprach es aus und war verschwunden.
Die Gesellschaft schweigt und reut.
Sitzt ganz ehrfürchtig für Stunden.
Hat derweil ins Herz gefunden,
steht voll Demut Seit' an Seit'.

Der Verlobte kommt zu Sinnen,
nimmt die Hand von seiner Braut:
"Lass uns nochmal neu beginnen!"
Ihre Freudentränen rinnen,
als die Feigheit sich doch traut.

Lachen, Jubel, Bier in Dosen!
Und das Leben mittendrin.
Weißes Kleid und rote Rosen,
Küsse süß wie Aprikosen ....
Liebe ist uns ein Gewinn.



(c) Bettina Lichtner

Montag, 19. März 2018

Fließender Abschied


Auf den blauen Meereswogen
treibt die letzte Scholle Eis,
und die Sonne brennt so heiß.

Und ein bunter Regenbogen
leuchtet diesem Abschiedstanz
ohne großen Firlefanz.

Kommt ein Möwenpaar geflogen,
zum Geleit und zum Goodbye
mit verhallendem Geschrei.

Und das Eis fühlt sich betrogen
um Millionen Jahre Zeit,
und verfällt in Bitterkeit.

Eine Flut von Monologen
schickt es noch ins weite Feld,
ungehört vom Rest der Welt.

Still zum Sterben ausgezogen,
schmilzt es unaufhaltsam hin.
Seine Haut nur hauchesdünn.

Schließlich ward es aufgesogen
von dem Meer und ward wie es,
nahtlos, fließend, ohne Stress.

Tanzt nun mit den blauen Wogen
unterm heißen Sonnenlicht.
Und der Mensch verneigt sich nicht,

und verbreitet stets verlogen,
dass die Eisschmelze und er
nicht zusammenhängend wär' ....


(c) Bettina Lichtner

Freitag, 16. März 2018

Alles Diesel, oder was?


Luft verschmutzt
Himmel verschmutzt
Meere verschmutzt
Straßen verschmutzt
Wälder verschmutzt
Wiesen verschmutzt
Datenbahnen verschmutzt
Höhen verschmutzt
Tiefen verschmutzt
Gedanken verschmutzt
Worte verschmutzt
Miteinander verschmutzt
Gegeneinander verschmutzt
Ich, du, er, sie, es, wir, ihr sie verschmutzt
Moral verschmutzt
Blicke verschmutzt
Herzen verschmutzt
außen verschmutzt
innen verschmutzt
gebende Hände verschmutzt
nehmende Hände verschmutzt
Tellerränder verschmutzt
hinterm Ofen verschmutzt
vorm Ofen verschmutzt
Schwellen verschmutzt
Planet verschmutzt
Universum verschmutzt
Mensch verschmutzt
Dieselaffäre? Peanuts ....


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 15. März 2018

traumtänzer


frühling
küsse im krokusfeld
blicke, die nach mehr ...
lust verlässt das nest
und fliegt und fliegt

frühling
kribbelnde Knospen
lauernde schmetterlinge
erwachen, erwarten
es taut, es taut

frühling
lammzartes lächeln
saumäßige vorfreude
affenstarke Gefühle
tierisch gut

frühling
zwitschern um 5
zwitschern um 12
zwitschern zur Nacht
vogelperspektive

frühling
du
ich
wir
traumtänzer



(Bettina Lichtner)

Dienstag, 13. März 2018

Der Knopf


Ein roter Knopf ist weiter nichts,
als was ein Knopf nun einmal ist.
Scheint dies die Botschaft des Gedichts'?
Es wäre gut, doch du vergisst,
dass jener hier des Drucks bedarf ...
Betrachten wir das Ganze scharf:

Zwei Staatspersonen von Format
beschimpfen sich. Man zankt. Man droht
sogar mit einer Übeltat.
Jetzt: Achtung: Knopf (wie oben) (rot):
Denn, wenn die Hand nicht stille hält,
zerstört DER Knopfdruck unsre Welt.

Einmal gedrückt, und eine Qual
von ungeahnter Dimension
vernichtet Leben ohne Zahl
(es ist schon längst nicht mehr Fiktion).
Der Zeiger steht auf zwei vor zwölf.
Man bräuchte einen Zauber-Elf ...

Der rote Knopf und das Atom:
ein Paar, das keine Mühe scheut.
Und ewig geistert das Phantom
des Untergangs durch unsre Zeit.
Der Frieden stößt auf Gegenwehr,
wir machen sein Erblühen schwer.

Ach, dass die Stunde nie erwacht,
da ein Atomkrieg Wahrheit wird.
Denn ist das Feuer erst entfacht,
des Funken schon den Kern umschwirrt,
dann ----- NEIN, Gedanken, denkt es nicht.
Gebt diesem Albraum kein Gewicht.



(c) Bettina Lichtner

Medaillen-Träume



Es ist die Brust vor Stolz geschwellt,
sie ziert ein güldnes Rund.
Der Sieg ist aufs Podest gestellt.
Der Jubel brandet, und die Welt
schweißt sich zum Freudenbund.

Olympisch ist der Geist gesinnt,
und friedlich die Mission.
Das Wir setzt alles und gewinnt,
derweil das Ich wie Sand zerrinnt.
Wir alle sind Nation.

Das Kämpferherz, es bebt und schwitzt,
pulsiert und treibt voran.
Der Schatten, der im Nacken sitzt,
hat allen Eifer zugespitzt,
und wird zum Zuggespann.

Den Sieg im Blick. Medaillen-Traum.
Oh, Bronze, Silber, Gold -
so nah, doch dann, man glaubt es kaum -
so nah sind Traum sich und auch Schaum.
Trotzdem: Respekt gezollt.

Ein Wechselbad. Ein Nervenspiel.
Die Träne als Kumpan
bedient gehorsam das Gefühl,
ist freudig mal, mal instabil,
und folgt dem Seelenplan.

Gewinner aber ist das Wir
(wie oben schon erwähnt).
Olympia hat ein Gespür
fürs Miteinander.  Ja, das Wir
gehört mit Gold gekrönt.


(c) Bettina Lichtner

HInter den Wänden


Hinter den Wänden gespenstische Ruh'.
Niemand vernimmt dieses leise #MeToo.
Dort ist ein Kind in des Vaters Gewalt,
aber sein Flehen und Wimmern verhallt.
Missbrauch daheim - ein Tabu.

Wer sieht die Tränen im Kindergesicht?
Wer stellt die Täter ins Scheinwerferlicht?
Täglich vergeht sich erwachsene Lust
an einem Kind, sich des Handelns bewusst.
Aber publik wird es nicht.

Kindliche Seelen in teuflischer Hand.
Schweigen im Walde. Das Medienland
reißt sich um Storys zum Thema #MeToo,
hört diesbezüglich Betroffenen zu,
bietet die Fläche zum Brand,

Kindern jedoch, die ein Lustobjekt sind,
gibt man sich taub oder stumm oder blind.
Trüge man EINMAL solch kindliche Schuh,
hörte man EINMAL ihr leises "MeToo" -
wüsst' man, welch Schmerz sie umspinnt.

Still ist ihr Schrei. Viel zu still für die Welt.
Ziffern im Dunkeln, ums Kindsein geprellt.
Gleich nebenan, doch den Augen entrückt,
werden die Würden zu Boden gedrückt,
weil es der Lust so gefällt.

Hinter den Wänden gespenstische Ruh'.
Niemand vernimmt dieses leise #MeToo.
Dort ist ein Kind in des Vaters Gewalt,
aber sein Flehen und Wimmern verhallt.
Missbrauch daheim - ein TABU.



(c) Bettina Lichtner

Samstag, 3. März 2018

Fügen wir uns ...


Hast du uns vergessen, Frühling?
Alles hungert nach dem Feeling
deiner wohltuenden, zarten
süßen Liebe. Sieh, der Garten
ist bereit, sich hinzugeben
deinem jungfräulichen Beben.

Wiesen, Wälder, Flüsse, Lüfte ---
alles wartet deiner Düfte.
Doch der Winter kämpft verbissen
um die frostige Kulisse.
Kalt und kälter will er 's treiben
und der Herr im Lande bleiben.

Ja, er scheint von Macht besessen.
Keiner da zum Kräftemessen.
Er kann walten nach Belieben.
Doch von seinen Kälteschüben
will die Welt nun nichts mehr wissen.
Er gehört hinausgeschmissen!

Wenn 's doch nur so einfach ginge!
Erste scheue Ankömmlinge
lassen dich, mein Lenz, erahnen:
Krokusse!! Ihr leises Mahnen
an den Winter, bald zu gehen,
lässt sich allerorten sehen.

Hoffnung, dass die kalten Stunden
baldmöglichst ihr Ziel gefunden,
macht sich breit, ganz still und sachte.
Wer jedoch euphorisch dachte,
dass der Winter nun verschwände,
malt nur Schatten an die Wände.

Weiter pfeift der Wind von Osten,
steht der Frost auf treuem Posten,
frieren wir bis auf die Knochen,
kommt das Eis ins Land gekrochen,
während Krokusse im Garten
schweigend auf den Frühling warten.

Schweigen ist vielleicht das Beste.
Schließlich sind wir eh nur Gäste!
Gäste, von der Zeit geladen;
deren Wettereskapaden
sollten wir als Schauspiel sehen,
dessen Akte schnell vergehen.

Ein paar Tage voller Kälte
nötigen uns gleich zur Schelte.
Doch uns bleibt nur, uns zu fügen,
uns im Jahreskreis zu wiegen,
mit dem Wetter Freund zu werden
für die kurze Zeit auf Erden ...


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 1. März 2018

"e"


Zwischen Grippe und Gerippe
hockt ja nur ein kleines "e".
Grippelnd tanzt du auf der Klippe
zwischen Grabschlucht und der Höh'.

Und du hustest dir die Lunge
aus dem Leib und hoffst dabei,
dass es bis zum Grabessprunge
noch ein langer Zeitmarsch sei.

Deine kranken Glieder zittern.
Deine Stirn ist schweißgetränkt.
"Kann der Tod mich gar schon wittern?",
ist 's, was dein Gedanke denkt.

Keine Mahlzeit will dir schmecken.
Pfunde sagen dir Adieu.
Malst dir Szenen vom Verrecken
im so fiebrigen Milieu.

Starrst im Bett nur an die Wände,
und dein Reichtum starrt zurück.
Kriegt der Tod dich in die Hände,
ach, was nützt dir dann der Schnick?

Von den Schmerzen jäh bezwungen,
liegst du da, bewegungslos.
Und so legst du notgedungen
deine Hände in den Schoß.

All die Arbeit muss nun warten,
bis die Kraft dir wiederkehrt.
Von dem harten Kern im Garten
hast du vage mal gehört.

An solch jämmerlichen Tagen
hätt'st du gerne Wünsche frei.
Wüsstest auch sofort zu sagen,
was dein Herzbegehren sei:

dass die Mutter zu dir käme,
da zu sein an deiner Seit'
und dir alle Schmerzen nähme
wie in alter Kinderzeit.

Dass sie da wär', dich zu pflegen
mit viel Liebe und viel Herz,
dir die Hände aufzulegen,
dass es lindert deinen Schmerz.

Doch den Kinderschuh'n entwachsen,
kämpfst du mutterseel'allein.
Und du wünschst dir, nie erwachsen,
sondern ewig klein zu sein ...


(c) Bettina Lichtner