Montag, 26. Februar 2018

Strenger Zeitgenosse


Die Sonne tanzt auf kalten Lippen,
und lässt sie von der Wärme nippen,
als sei 's ein Kuss vom Himmelblau.
Der Ostwind treibt 's indessen rau
und drängt sich unter Winterkleider,
als höhne er dem Meister Schneider,
des Mäntel viel zu dünn genäht,
fernab von Frostschutzqualität.
Es sehnt mein Körper sich nach Hitze!
Der Ostwind treibt es auf die Spitze
und kriecht sogar in Mark und Bein.
Da lädt ein Tee zum Tauen ein.
Die Hände um die heiße Tasse -
schon rötet sich das eben blasse
und eisgekühlte Angesicht.
Dem Ostwind, dem behagt es nicht.
Er tobt nun vor der Fensterscheibe
und käme gern in meine Bleibe,
doch ist der Zutritt ihm verwehrt.
Ich habe seinen Zorn gehört,
das Brausen seiner Atemzüge.
Ich lache drüber, sitz und schmiege
den heißen Tee an meine Brust
und gönne mir die stille Lust,
gewärmt bis in die Fingerspitzen
zufrieden im Café zu sitzen,
ganz ohne Wind auf meiner Haut,
der draußen stürmt, statt dass er flaut.
Er spielt sein Spiel mit den Passanten,
und liebt den Part des Dominanten,
der streng sich zu den Menschen neigt,
bis jedermann sich vor ihm beugt.
Ja, ja, der Ostwind weiß zu quälen.
Wie gut war 's, den Moment zu wählen
in dem behaglichen Café´.
Hier treibt kein Wind sein Ach und Weh.
Hier scheint die Sonne durch die Scheiben,
und lässt den Ostwind Ostwind bleiben ...


(c) Bettina Lichtner

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