Dienstag, 27. Februar 2018

Kennste den?


Ein Kind geht durch den Supermarkt,
und Schritt für Schritt für Schritt erstarkt
in ihm der Wunsch nach dem und das.
Es sagt zur Mutter: "Kauf mir was!"

Die Mutter denkt im Traum nicht dran,
da fängt das Kind zu zetern an.
Ein Drama - g'rad wie einstudiert -
wird nun vom Blagen vorgeführt:

Erst färbt der Kopf sich puterrot,
alsdann ein Schrei, dann Atemnot,
dann fällt das Kleine bäuchlings hin,
und stößt sich zwei-, dreimal das Kinn.

Die Fäuste schlagen wechselweis'
auf den Beton und geben preis,
welch Kraft im jungen Körper steckt.
Auch wird die Zunge rausgestreckt.

Beim Wortschatz fragt man sich sodann,
woher das Kind wohl wissen kann,
mit welchem Wort man Schaden fügt.
Fürwahr, ich hätt' es gern gerügt ...

Die Füße trommeln wild und hart,
so ungefähr von jener Art
wie 's Rumpelstilzchen einst getan
in seinem Märchennamenwahn.

Jetzt wälzt das Kind sich hin und her,
und kreischt und strampelt immer mehr,
so dass der letzte auch erkennt:
hier kämpft ein wirkliches Talent.

Und plötzlich Stille. Lebt es noch?
Das Kind, nun kraftlos, schwieg und kroch
am Boden wie ein Wurm im Dreck.
Es rafft sich auf und lächelt keck.

Sein Plan ging auf. Sein Wunsch? Erfüllt.
Ich flüstere ihm: "Gut gebrüllt."
Die Mutter lässt ihm freie Wahl
nach der gekonnten Nervenqual.

Mit stolzer Brust verlässt das Paar
den Ring, der eben Kampfplatz war,
und Ruhe,  R U H E  macht sich breit
nebst allgemeiner Heiterkeit.


(c) Bettina Lichtner

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