Freitag, 9. Februar 2018

Kein Ende in Sicht


Es lugt durchs harte Winterfeld
ein Krokus in die kalte Welt
und hält sein zartes Angesicht
ins aufgehende Sonnenlicht,
und zagt und zaudert nicht.

Ein Dackel sucht ein Pissoir,
und denkt sich: "Ei, wie wunderbar,
die Blume dort, die soll es sein!!"
Er stellt sich hin. Er hebt das Bein,
drauf geht die kleine Pflanze ein,

und denkt beim letzten Atemzug:
"Ich sah das Licht. Das sei genug.
Das trage ich ins Himmelszelt
als Souvenir von dieser Welt.
Wohlan, mein Leben fällt ...."

Dem Dackel ist es einerlei
(und auch den Menschen nebenbei).
Ein Blümchen tot? Naja. Na und?
Das Zwiebelchen im Untergrund
treibt bald schon wieder bunt.

Dann geht der Kreis von vorne los:
der Krokus blüht im Erdenschoß,
der Dackel sucht ein Pissoir,
er hebt sein Bein wie jedes Jahr
im Monat Februar.

Und die Moral aus dem Gedicht?
Ein Ende ist ein Ende nicht.
Es scheint ja gar wie Hexerei:
just schien die schöne Zeit vorbei,
da ward sie wieder neu.


(c) Bettina Lichtner

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