Mittwoch, 7. Februar 2018

Durch den Dreck



Der Sprachschatz ist geplündert worden
von rohen, rauen, wilden Horden,
die all die schönen Wortgebilde
mit Füßen treten. Keine Milde
gebühre diesen Wortverächtern,
den Teufels-Söhnen und auch -Töchtern.

Die schöne Sprache! Gott bewahre,
dass diese zarte, wunderbare,
betörende und zauberhafte
Magie vergeht. Nein, ich verkrafte
den Tod derselbigen mitnichten!
Mich schmerzt, wie sich die Reihen lichten.

Die Reihen all der positiven,
ja ... Helden zwischen aggressiven
und explosiven Störenfrieden,
die scheinbar nimmermehr ermüden,
sich laut ins Rampenlicht zu drängen
durchs Vortragen von Sprechgesängen.

Was kriegt das Ohr für Schund zu hören!?
Es will sich der Gehörgang leeren
von durch den Dreck gezog'nen Wörtern
(ein Zeitverlust, sie zu erörtern).
Schon wird der Singsang nachgesprochen!
Moral, Moral - ich hör' dich pochen!

Es kommt ein Hexensud zustande,
gebraut von einer Narrenbande!
Ein PFUI darauf und ein Zensieren.
Die Kinderzungen zu verführen,
der Gossensprache nachzulaufen,
ist mehr als nur zum Haare raufen.

Zurück, zurück zu alten Zeiten
der sprachlichen Besonderheiten.
Zurück zur feinen Ausdrucksweise,
denn unverträglich ist die Speise,
die sie dem jungen Volk servieren;
sie dient ja nur dem Irreführen.

Ein Gang durch heimatliche Gassen
lässt einen schnell das Ausmaß fassen
der neuartigen rohen Sitten!
Die ganze Sprache ist entglitten!
Ein Sprachsumpf voll Erbärmlichkeiten.
Niveaulos, finstre Menschenseiten!

Würd' Goethe heute auferstehen
und durch das Land der Dichter gehen,
ihm würde wohl das Blut gefrieren,
welch Worte heut' das Zepter führen!
Die Muttersprache schwer beschädigt,
und ihrer Schönheiten entledigt.

Er schüttelte sein Haupt und flöhe
zurück in seine Himmelshöhe.
Die Lust der Freud' wär' ihm vergangen.
Was er poetisch angefangen,
wird heut' so jämmerlich zerrissen
ganz ohne reuendes Gewissen.

Als wir als Kinder sprechen lernten,
welch Freude war 's! Und dann entfernten
wir uns vom sprachlichen Betragen,
so dass wir heute Wörter sagen,
die unter aller Würde hausen.
Oh, Zukunft, ich krieg' Muffensausen ...



(c) Bettina Lichtner

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.