Samstag, 24. Februar 2018

Die Flucht des Matrosen


Einst schipperte ein Jung-Matrose
- Jahrzehnte ist es her -
mit einer dunkelroten Rose
im Boot auf einem Meer.

Er hat das Weite suchen wollen,
zu eng war 's ihm an Land.
Dort hätt' er Hochzeit feiern sollen,
was er erdrückend fand.

Die Rose, die ihm nun zur Seite,
war für die Braut gedacht,
verfehlte sie um Haaresbreite
und hat sich rar gemacht.

Der Duft der Blume und die Wellen,
dazu der raue Wind  ---
die Freiheit weiß um die Gesellen,
die ihrer nützlich sind.

Das offne Meer! Matrosen-Lachen!
Die Ehe? Über Bord ...
Kein Ringlein kann ihn dingfest machen.
Das Nein sein Lieblingswort.

Er wirft die Kräfte in die Ruder,
kein Land ist mehr in Sicht.
Die Braut nimmt sich den Zwillingsbruder,
weil er sich ihr verspricht.

Und der Matrose? Bleibt verschwunden.
Die Sippe spekuliert:
"Vielleicht hat er den Tod gefunden
und sich verkalkuliert.

Vielleicht hat ihn ein Wal gefressen.
Vielleicht kam er zurück,
versteckte sich und hofft indessen
auf neues Liebesglück.

Hat ihn ein Frachter aufgelesen?
Fand er ein Eiland gar?"
Die Sippe zog diverse Thesen
herbei an manchem Haar.

Das Boot samt Rose ist gestrandet,
wo 's niemand je gedacht:
dort, wo die Macht des Meeres brandet,
hat es Station gemacht.

Doch den Matrosen fand man nimmer.
Man denke, was man will.
Sein angedachtes Frauenzimmer
weint um den Liebsten still.


(c) Bettina Lichtner

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