Mittwoch, 28. Februar 2018

Das aufgemachte Fass


Ein Streit im Haus von irgendwem.
Die Lage ist nicht angenehm.
SIE sitzt am Küchentisch und schweigt,
derweil ER ihr die Meinung geigt:

"Ich hab' es x-mal dir gesagt:
Wenn deine Eifersucht es wagt,
zu schnüffeln, ob ich untreu sei,
dann stell' ich mich dem heißen Brei.

Du suchst nach Haaren am Jackett,
nach Botschaften im Internet,
durchforstest gar mein Telefon
wie ein besessener Spion.

Und findest nichts, was den Verdacht
zu einem Fass mit Boden macht.
Du dichtest mir Affären an,
die, wenn nicht jetzt, dann irgendwann ...

Ich schwor 's bei meinem eignen Blut,
dass meine ganze Liebesglut
alleine sich nach dir verzehrt,
und dich alleine nur begehrt.

Ich kroch auf Knien vor dir her,
verausgabte mich beim Verkehr,
versprach dir hoch und heilig fest,
dass keine Frau mich wanken lässt.

Umsonst, umsonst. Du glaubst mir nicht,
und sagst mir haltlos ins Gesicht,
ja, unterstellst mir rigoros,
ein Fremdgehen von Schoß zu Schoß.

Es reicht mir! Deine Eifersucht
fällt wieder mal mit ganzer Wucht
in unsere Beziehung ein,
und wieder soll ich Täter sein.

Du stellst mich wieder an die Wand
mit Hirngespinsten in der Hand.
Ich packe und verlass' dich jetzt,
weil mich dein Misstrauen verletzt ..."

SIE sitzt am Küchentisch und schweigt,
derweil ER ihr die Meinung geigt.
Die Eifersucht steht mittendrin
und hält der Maus den Käse hin.

Die aber hat den Käse satt
und nimmt - des Fallenstellers matt -,
den Mut, den das Verlassen braucht,
ins Pfötchen und ist abgetaucht ...


(c) Bettina Lichtner

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