Donnerstag, 4. Januar 2018

Leere Waben


Still verschwanden von den Bühnen
dieser Welt die Honigbienen.
Die ich einst in Kindertagen
voller Ängste fortgeschlagen,
sind heut' übersichtlich rare
Einzelgänger-Exemplare.

Früher zogen scharenweise
Bienen summend ihre Kreise
von dem einen Kelch zum andern,
und man sah sie fleißig wandern,
sah sie sammeln und bestäuben
und im Takt des Sommers bleiben.

Aus den vollgefüllten Waben
floss das Süße auf den Klaben,
den die Großmutter mit Liebe
mir bereitet hat, wenn trübe
Augenblicke mich bedrängten
und ins Tal der Tränen zwängten.

Wollten aber flotte Bienen
meine Ängstlichkeit bedienen,
weil sie mir zu nahe flogen,
bin ich eiligst abgezogen.
Ihre vierzehn Millimeter
jagten mich oft Kilometer.

Heute sind sie all' vertrieben.
Keiner weiß, wo sie geblieben.
Einer munkelt: "Pestizide
machten muntre Bienen müde."
"Klimawandel ..." murrt ein schlauer,
im Detail recht Ungenauer.

Wie wir 's drehen oder wenden:
dass die Bienen jäh verenden,
hat der Mensch als Schuld zu tragen.
Wehmut trinkt von Kindertagen,
als die Bienen noch in Scharen
unsere Gesellen waren ...


(c) Bettina Lichtner

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