Samstag, 29. Dezember 2018

Auferstanden aus der Tiefe



Der Dichter und das leere Blatt ---
ein stundenlanges Ruhetreiben.
Es fühlt die Schreibfeder sich matt
und möchte unbeansprucht bleiben.
Der Geist, er sinnt und sinnt und sinnt,
wobei der Stirn der Schweiß entrinnt.

Es will der Reim nicht auf den Reim,
der Klang nicht auf die Note passen.
Zwar pflanzt der Dichter manchen Keim,
doch keiner möchte Wurzeln fassen.
Und lauernd liegt das Blatt Papier,
und wartet auf das Feingespür.

Die Flüche fliegen durch den Raum.
Dem Dichter fehlen Geistesblitze.
Das Fluchen aber hilft ihm kaum.
Da drängt sich durch die Wolkenritze
das erste Wort ins Rampenlicht,
und gibt dem Werk ein Angesicht.

Jetzt ward die Quelle angezapft.
Allmählich fängt sie an, zu sprudeln.
Da kommt der Missmut angestapft,
das Kleid der Freude zu besudeln
mit ungestümer Wörterwahl.
Der Dichter leidet Höllenqual.

Er geht zum Fenster, öffnet 's weit.
Sein Atem sucht die Kraft der Tiefe.
Wann endlich wird der Geist gescheit
und tut nicht mehr, als ob er schliefe?
Und da, wie von Gespensterhand,
fällt Regen auf das dürre Land.

Es blüht, es sprießt, es scheint und strahlt.
Die Muse küsst die blaue Tinte,
ihr Liebesspiel macht sich bezahlt.
Sie wähnen sich als Gleichgesinnte,
und zeichnen zu des Dichters Freud'
ein Bildnis voller Heiterkeit.

Schon liegt das Werk vollendet da
und suhlt sich in der süßen Tunke.
Was eben keine Hoffnung sah,
ward urplötzlich ein Götterfunke.
Auf einem leeren Blatt Papier
stand jetzt auf gleich das Glück Spalier ....



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 13. Dezember 2018

Vater, du vergisst mich



Ach, mein Vater, deine Worte sind verwirrt.
Die Gedanken sind zerstreut, und meinen Namen weißt du nicht.
Gestern Ziele, heute in der Welt verirrt.
Und ich sehe lauter Fragen auf dem ängstlichen Gesicht.
Die Erinnerungen schleichen
sich davon, und auf den Weichen
fährt der alte Zug verloren durch die Zeit.
Ein Verblassen und Verbleichen.
Ungebremstes Segelstreichen.
Das Gedächtnis steht auf einmal ohne Kleid.

Meine Tränen halte ich vor dir versteckt.
Du erkennst nicht deine Tochter. Eine Fremde nennst du mich.
Die Vergesslichkeit hat alles zugedeckt.
Ich erzähle von den Stunden, als das Glück das Herz bestrich,
doch du weißt nicht, was ich meine.
Meine Welt ist nicht die deine.
Die Momente, die wir teilten, sind dir neu.
Und so stehe ich alleine
mit den Schätzen in der Scheune
meiner Seele, und die Wehmut eilt herbei.

Alte Fotos aus den Tagen, da wir jung,
sind für dich schwarzweiße Bilder einer unbekannten Welt.
Und ich schwärme von dem längst vergangnen Schwung
deiner Kraft und deiner Freude, hoffend, dass der Groschen fällt.
Und du lauschst den Zeitgeschichten,
doch den Nebelschleier lichten,
bleibt der Mühe und der Zuversicht versagt.
Wenn die Nächte sich verdichten
und Erinnerungen flüchten,
hofft der Sonnenstrahl vergeblich, dass es tagt.

Will nicht glauben, dass du, Vater, mich vergisst.
Mein Verstand möcht' mir verzweifeln, möcht' verteufeln, was geschieht.
Ich bin hilflos, weil die Krankheit dich zerfrisst.
Ich bin hilflos, weil die schöne stolze Rose still verblüht.
Dich allmählich zu verlieren,
nicht mehr väterlich zu spüren,
nährt die Traurigkeit und scheucht die Ängste auf.
Wärme hinter alten Türen,
doch davor ein Herzgefrieren.
Nur die Liebe trotzt dem finsteren Verlauf.

Nur die Liebe! Das ist alles, was mir bleibt.
Dich zu lieben, liebster Vater, ist die gottgeschenkte Macht.
Wenn die Krankheit mich aus deinem Kopf vertreibt,
werd' ich lieben dich bei Tage, doch besonders deine Nacht.
Deiner Dunkelheit tief drinnen
will ich Liebe abgewinnen.
Eine Liebe, die so tief, wie nie zuvor.
Will 's Erinnern auch zerrinnen,
lass uns neu damit beginnen.
Gott bewahre mir, was ich an dir verlor ...


(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 9. Dezember 2018

Der Kunde und das Tier


Blutig, saftig, kross und scharf .....
Rind, das wird dein Schicksal sein!
Bist nur "Fleisch", und bei Bedarf
legt man dich süßsauer ein.

Wenn du erst geboren bist,
nimmt das Elend seinen Lauf.
Kurz ist deine Lebensfrist
von Geburt bis zum Verkauf.

Weil der Kunde nach dir giert,
und nicht von dir lassen will,
wirst du schändlichst malträtiert,
und der Kunde hält fein still.

Denn er kümmert sich nicht drum,
ob du leidest, wann und wie.
Er bleibt blind und taub und stumm
und nennt Tierschutz Hysterie.

100 Gramm gemischtes Hack,
Schinken, Speck und gern Filet ---
Kunde liebt den Fleischgeschmack,
und vergisst gern Schmerz und Weh.

Stopft sich Leichenteile rein
früh bis spät für wenig Geld.
Und im Stall das arme Schwein,
möchte nie geboren sein.

Kälber, Lämmer, Pferde auch,
und Geflügel aller Art ---
alles füllt des Kunden Bauch,
bis man ihm im Grab verscharrt.

Massenställe, Foltertour,
Metzger ohne Feingefühl,
und dazu rund um die Uhr
Schlachttransport zum Todesziel.

Fleischessern ist ganz egal,
was den Tieren widerfährt.
Jedes Wort zur Höllenqual
bleibt von ihnen ungehört.

Für die Welt im Massenstall
wird sich gar nicht interessiert.
Fleisch ist ein Stück Tötungsfall ---
Fleischesser bleibt unberührt.

Aber wehe, aber weh',
wenn der Kunde Aua hat:
wie ich ihn dann jammern seh',
ach, wie fühlt er sich so platt.

Husten, Schnupfen, Heiserkeit,
Zahnweh gar und Magen-Darm?
Kunde windet sich im Leid,
geht ins Bett und hält sich warm.

Dass das Nutzvieh in der Mast
mehr noch als er selber litt,
ist ein Wort, das ihm nicht passt,
und das ihn mit mir zerstritt.

Wer dem Kunden schnurstracks sagt,
dass er kein Gewissen hat,
hat aufs Dünne sich gewagt,
und der Frieden liegt schachmatt.

Blut nicht nur an Metzgers Hand.
Blut auch an des Kunden Mund.
Blutdurchtränkt sind Stadt und Land,
blutdurchtränkt das Erdenrund.

Fleisch ist ein Stück Lebenskraft
nur solang' es lebend ist.
Fleischesser, du hast geschafft,
dass dein Hunger Wälder frisst.

Abgeholzt wird Baum um Baum
für die Tierfleischproduktion,
doch den Kunden kümmert 's kaum.
Er braucht seine Fleischportion.

Dass das Klima Schaden nimmt
sei erfunden, sei ein Fake,
sei ein Märchen, das nicht stimmt,
eine Lüge, ein Mistake.

Fleischesser! Du Egoist !
Du bist Schuld an alledem.
Weil du fleischverlangend bist,
wird 's auf Erden unbequem.

Umdenken ist angesagt,
sonst ist alle Chance vertan.
Wer mich nach der Lösung fragt,
sag' ich laut: Esst rein VEGAN.


(c) Bettina Lichtner im Namen aller von Menschenhand geschundenen Tiere. Die Lösung muss vegan sein !!!

Donnerstag, 7. Juni 2018

Die Wetterpille



Den Menschen ist nichts recht zu machen:
erst lechzen sie nach Sonnenstrahlen,
dann strömt der Groll aus ihrem Rachen,
wenn sie sich in der Hitze aalen,
weil 's gar zu heiß ist alle Tage.
Fürwahr eine verzwickte Lage ....

Und wenn sich graue Wolken zeigen
und wochenlang der Regen schüttet,
beklagen sie den nassen Reigen,
der ihre Pläne jäh zerrüttet.
Auch Eis und Schnee und Sturmgetöse
stimmt sie bei langer Dauer böse.

Sie mögen keine Kapriolen,
da spielt der Kreislauf ihnen Streiche.
Derweil genießt ganz unverhohlen
das Eichhorn in der prallen Eiche
die wechselhaften Wetterseiten,
die weiter nichts als nichts bedeuten.

Ein Klimawandel sei im Gange,
wird querfeldein und -aus vermutet.
Man wähnt sich in der Wetterzange,
sobald die Flut die Straßen flutet,
sobald die Glut die Saat vernichtet,
die Brise sich zum Sturm verdichtet.

Es ist das Wetter ja im Grunde
bei jedem Treffen federführend.
Sein Treiben ist in aller Munde.
Das erste Wort ist ihm gebührend.
Doch ob wir 's loben oder hassen:
das Wetter bleibt indes gelassen.

Der Mensch, der kleine Naseweise,
nähm' gerne Petrus in die Mangel,
und gibt sich doch mucksmäuschenleise
bei jedem himmlischen Gerangel
um Sonnenstrahl und Regengüssen.
Er wird sich Petrus fügen müssen.

Es ist wie 's ist. Ob wir nun lachen,
ob wir nun loben, jammern, leiden:
Am Wetter kann man gar nichts machen,
als sich entsprechend anzukleiden.
Wer nimmt, wie 's kommt, weilt in der Stille
und schluckt vergnügt die Wetterpille.


(c) Bettina Lichtner



Donnerstag, 24. Mai 2018

Der Räuber



Auf der Straße ist das Handy unser Herr,
dem wir stets getreulich dienen und auch brav gehorsam sind.
Wenn es klingelt, interessiert der Rest nicht mehr.
Wir vergessen unsere Freunde, unsre Liebste, unser Kind.
Wir sind geradezu besessen
von dem Handy, doch indessen
zieht das wahre Leben rasch an uns vorbei.
Doch es wäre wohl vermessen
dieses Ding zu Schrott zu pressen,
denn dann gäbe es ein großes Wehgeschrei.
Dieses Handy hat uns fest in seiner Hand.
Und es raubt uns noch den kleinen Rest Verstand.

Auf der Straße sind die Handynutzer blind
für den Menschen gegenüber oder jenen nebenan.
Wenn sie abgelenkte Fahrzeugführer sind,
hat das Schicksal bald mit Leichtigkeit sein Tagewerk getan.
Die gebannt gesenkten Blicke
sind die neumoderne Tücke,
und sie haben manchen Faden früh gekappt.
Wenn ich Nachrichten verschicke,
mich aus jedem Blickfeld rücke,
werd' ich unversehens aus der Zeit geschnappt.
Dieses Handy hat uns fest in seiner Hand.
Und es raubt uns noch den kleinen Rest Verstand.

Auf der Straße macht das Handy, was es will.
Es macht alle Menschen hörig, gerade wie es ihm gefällt.
Nicht am Tag, noch in der Nacht verharrt es still.
Ihm gehören die Sekunden. Ihm gehört die ganze Welt.
Doch das meiste, was es sendet,
ist ein Trugbild, das verblendet,
und von wahrlich nur geringer Wichtigkeit.
Ob das Blatt sich jemals wendet?
Ob der Wahnsinn jemals endet?
Ich vermisse dich, du gute alte Zeit ....
Dieses Handy hat uns fest in seiner Hand.
Und es raubt uns noch den kleinen Rest Verstand.

Dieses Handy hat uns fest in seiner Hand.
Ja, wir ziehen aus demselben die Identifikation.
Nimm es weg, und es entsteht ein Flächenbrand.
Welch ein Albtraum auf der Erde seit der Zivilisation.
Tiere wundern sich und fragen,
was die Menschen da wohl tragen,
dass das Augenmerk so sehr gefangen nimmt,
dass sie kaum ein Wort mehr sagen,
wenn sie übers Display jagen,
das ganz augenscheinlich alle Zeit bestimmt.
Dieses Handy hat uns fest in seiner Hand.
Und es raubt uns noch den kleinen Rest Verstand.


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 17. Mai 2018

Wir sind, was wir denken



Ein Gedanke spukt und quält
tags und nachts nach hehrer Lust.
Hat sich meinen Kopf gewählt,
drückt auch schwer auf meiner Brust.
Schickt die Stimmung auf den Mond,
wo sie einsam nach mir schreit,
während der Gedanke thront
wie ein Herrscher. Machtbereit.

Welche Richtung ich auch schlag,
immer schlägt er auf mich ein.
Wie so schwer ich an ihm trag ...
Er versklavt mich, macht mich sein.
Ganz gebeugt schon ist mein Gang,
meine Haltung ganz gekrümmt,
in mir hallt ein Wehgesang,
der mich aus der Stunde nimmt.

All mein Wirken ohne Freude.
Meine Zunge wie gelähmt.
Welches Tun ich auch bekleide,
alles wirkt so ungezähmt.
Keine Klarheit mehr vor Augen.
Hinterm Schleier lacht die Welt.
Möcht' von ihrem Leuchten saugen,
fühl' mich aus der Zeit gestellt.

"Geh, Gedanke, weiche, fliehe.
Deine Botschaft lebt vom Trug.
Spar dir deine stete Mühe,
denn es ist mir nun genug.
Ich durchschau' dein böses Treiben,
und verderbe dir das Spiel.
Raus mit dir. Du kannst nicht bleiben.
Nimmer jubelst du im Ziel."

Ach, und plötzlich? Welch ein Strahlen.
Der Gedanke nimmt den Hut.
Und die guten Mächte prahlen
lauthals voller Übermut.
Raus mit allen Bösewichten,
die dem Kopf zum Schaden sind.
Ihre haltlosen Geschichten,
machen für die Wahrheit blind.

Denn wir sind ja, was wir denken.
Was wir denken, sind wir auch.
Achtsamkeit dem Geist zu schenken,
ist ein unschätzbarer Brauch.
Unkraut wildert gern im Garten,
drum muss es vernichtet sein,
denn darunter, wisset, warten
Blumen und der Sonnenschein.


(c) Bettina Lichtner

Samstag, 5. Mai 2018

Einblicke



Die Kamera des Fotografen
liebäugelt mit dem Jetzt und Hier.
Wo andres Menschen Augen schlafen,
nimmt sie das Leben ins Visier.

Sie fokussiert das Unscheinbare,
das Hungrige im Überfluss,
das Nebulöse und das Klare,
des Daseins bittersüßen Kuss.

Lässt Bilder tausend Bände sprechen,
gibt tausend Bänden ein Gesicht,
lässt Brandungen an Herzen brechen,
und holt die Nacht ans Tageslicht.

Bleibt unberührt bei Freudentänzen,
und ebenso im tiefsten Leid.
Dass Froh- und Trübsinn sich ergänzen,
zeigt sie mit stummer Deutlichkeit.

Sie liebt das Spielen mit dem Feuer.
Dem schönen Schein gibt sie ein Sein.
Sie macht die Welt zum Abenteuer,
und lädt uns zum Entdecken ein.

Wo Hüllen, Masken, Träume fallen,
da hält sie fest, was sich enttarnt.
Und lässt die Zeit die Korken knallen,
ist sie 's, die den Moment umgarnt.

Wo Mindeshaltbarkeiten schwinden,
bewahrt sie für die Ewigkeit.
Dem Ziel, des Pudels Kern zu finden,
folgt sie mit stiller Wachsamkeit.

Sie schreit heraus in tiefem Schweigen.
Dem Pfeil gleich, der schmerzhaft bohrt,
will sie das Abgrundtiefe zeigen,
und braucht dazu nicht Klang noch Wort.

Auch taucht sie gern ins farbenfrohe,
ins bunte, pralle Leben ein,
und lässt die düstere und rohe
Minute mal vergessen sein.

Und doch entgeht ihr noch so vieles
am rechten Ort zur rechten Zeit,
im Kreislauf dieses Lebensspieles
von Werden und Vergänglichkeit .....



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 22. März 2018

Feind von oben


Über mir ein leichtes Summen!
Falsch beschrieben. Mehr ein Brummen!
Hochgeguckt, entlarvt alt Drohne.
Hängt in grüner Eichenkrone.

Hat sich ungewollt verflogen.
Fühlt ein Specht sich angezogen
von dem ihm so unbekannten,
herzlosen und unbemannten.

Tock, tock, tock, der Specht schlägt Beulen
ins Objekt, es zu zerteilen.
Will den Eindringling verjagen,
geht ihm deshalb an den Kragen.

Schnabel gräbt sich ins Gehäuse
auf recht rabiate Weise.
Schrauben lösen sich, verschwinden.
Schwer, sie jemals je zu finden.

Schnabel reißt in tausend Stücke,
braucht dafür nur Augenblicke.
Endlich ist der Feind erlegen.
Specht zufrieden. Doch, von wegen ...

Mensch kommt näher. Rachgelüste.
Specht nervös. Oh, wenn er wüsste ...
Kugeln fliegen um die Ohren.
Leben, ach, du bist verloren.

Drohne, Specht - nun Himmelskinder.
Mensch, was bist du für ein Sünder!
Drohnen gilt es zu verfluchen.
Haben nichts im Baum zu suchen ....


(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 21. März 2018

Klangfolge



Es weht ein Hauch Melancholie
durch unsre kalten Wintergassen.
Wes Hand nur schenkt die Melodie,
dass alle Sorgen mich verlassen?
Mein Herz streckt suchend seine Fühler,
vom Klang der Töne liebestrunken,
und findet ihn - den Bratschen-Spieler,
in sich und seiner Welt versunken ...


(c) Bettina Lichtner

Aprikosenküsse



"Freiheit, ach, ich seh dich schwinden!",
denkt sich der Gemahl in spe.
Heut' soll er sich ewig binden,
doch im Herzen .... welch ein Winden!
Pfaffe fragt und er schreit NEEEEEEE ....

Durch die Kirche raunt ein Raunen,
und die Braut ist not amused.
Plötzlich spielen die Posaunen,
und die Anwesenden staunen
und sind irgendwie confused.

Den Verlobten schimpft man feige.
Und man wünscht' sich ihn away.
Doch er spielt die erste Geige,
tänzelt unterm Mistelzweige
als der "Hero of the day".

Ihm zur Seite tanzt ein Zweiter,
dann ein Dritter und so fort.
Und der Herr Orchesterleiter
dirigiert recht munter weiter.
Der Gesellschaft fehlt das Wort.

Und die Braut schlägt mit den Rosen
auf die Tanzkumpanen ein.
Jemand öffnet Bier in Dosen:
"Auf das Wohl der Ehelosen!"
Drauf die Braut: "Ihr seid gemein!!!"

Männer in den Kirchenreihen
schmachten nach dem Tropfen Bier.
Mancher möcht' sich gern befreien
aus den Ehe-Plagereien,
und verflucht das Stück Papier,

welches einstmals unterschrieben,
als die Tür ins Schlosse fiel.
Denn vom märchenhaften Lieben
ist ja weiter nichts geblieben
als ein frostiges Gefühl.

"Dieser da, der hat 's verstanden!",
denken sie und feiern den,
den sie eben herzlos fanden.
Frei von allen Ehebanden
fänden sie nur gar zu schön.

Und die argwöhnischen Frauen
merken der Gemahlen Frust.
Und sie stehen auf und hauen
auf die Mannsbilder und schauen
dabei voller Freud' und Lust.

Plötzlich schwebt Herr Jesus nieder:
"Sagt einmal, was macht ihr hier,
meine Schwestern, meine Brüder?
Die Gewalt ist mir zuwider!
Habt ihr gar kein Feingespür?

Eine Kirche dient dem Frieden.
Doch ein Boxring ist sie nicht.
Zählt ihr zu den Liebesmüden?
Habt Ihr euch dazu entschieden,
auszulöschen Gottes Licht?"

Sprach es aus und war verschwunden.
Die Gesellschaft schweigt und reut.
Sitzt ganz ehrfürchtig für Stunden.
Hat derweil ins Herz gefunden,
steht voll Demut Seit' an Seit'.

Der Verlobte kommt zu Sinnen,
nimmt die Hand von seiner Braut:
"Lass uns nochmal neu beginnen!"
Ihre Freudentränen rinnen,
als die Feigheit sich doch traut.

Lachen, Jubel, Bier in Dosen!
Und das Leben mittendrin.
Weißes Kleid und rote Rosen,
Küsse süß wie Aprikosen ....
Liebe ist uns ein Gewinn.



(c) Bettina Lichtner

Montag, 19. März 2018

Fließender Abschied


Auf den blauen Meereswogen
treibt die letzte Scholle Eis,
und die Sonne brennt so heiß.

Und ein bunter Regenbogen
leuchtet diesem Abschiedstanz
ohne großen Firlefanz.

Kommt ein Möwenpaar geflogen,
zum Geleit und zum Goodbye
mit verhallendem Geschrei.

Und das Eis fühlt sich betrogen
um Millionen Jahre Zeit,
und verfällt in Bitterkeit.

Eine Flut von Monologen
schickt es noch ins weite Feld,
ungehört vom Rest der Welt.

Still zum Sterben ausgezogen,
schmilzt es unaufhaltsam hin.
Seine Haut nur hauchesdünn.

Schließlich ward es aufgesogen
von dem Meer und ward wie es,
nahtlos, fließend, ohne Stress.

Tanzt nun mit den blauen Wogen
unterm heißen Sonnenlicht.
Und der Mensch verneigt sich nicht,

und verbreitet stets verlogen,
dass die Eisschmelze und er
nicht zusammenhängend wär' ....


(c) Bettina Lichtner

Freitag, 16. März 2018

Alles Diesel, oder was?


Luft verschmutzt
Himmel verschmutzt
Meere verschmutzt
Straßen verschmutzt
Wälder verschmutzt
Wiesen verschmutzt
Datenbahnen verschmutzt
Höhen verschmutzt
Tiefen verschmutzt
Gedanken verschmutzt
Worte verschmutzt
Miteinander verschmutzt
Gegeneinander verschmutzt
Ich, du, er, sie, es, wir, ihr sie verschmutzt
Moral verschmutzt
Blicke verschmutzt
Herzen verschmutzt
außen verschmutzt
innen verschmutzt
gebende Hände verschmutzt
nehmende Hände verschmutzt
Tellerränder verschmutzt
hinterm Ofen verschmutzt
vorm Ofen verschmutzt
Schwellen verschmutzt
Planet verschmutzt
Universum verschmutzt
Mensch verschmutzt
Dieselaffäre? Peanuts ....


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 15. März 2018

traumtänzer


frühling
küsse im krokusfeld
blicke, die nach mehr ...
lust verlässt das nest
und fliegt und fliegt

frühling
kribbelnde Knospen
lauernde schmetterlinge
erwachen, erwarten
es taut, es taut

frühling
lammzartes lächeln
saumäßige vorfreude
affenstarke Gefühle
tierisch gut

frühling
zwitschern um 5
zwitschern um 12
zwitschern zur Nacht
vogelperspektive

frühling
du
ich
wir
traumtänzer



(Bettina Lichtner)

Dienstag, 13. März 2018

Der Knopf


Ein roter Knopf ist weiter nichts,
als was ein Knopf nun einmal ist.
Scheint dies die Botschaft des Gedichts'?
Es wäre gut, doch du vergisst,
dass jener hier des Drucks bedarf ...
Betrachten wir das Ganze scharf:

Zwei Staatspersonen von Format
beschimpfen sich. Man zankt. Man droht
sogar mit einer Übeltat.
Jetzt: Achtung: Knopf (wie oben) (rot):
Denn, wenn die Hand nicht stille hält,
zerstört DER Knopfdruck unsre Welt.

Einmal gedrückt, und eine Qual
von ungeahnter Dimension
vernichtet Leben ohne Zahl
(es ist schon längst nicht mehr Fiktion).
Der Zeiger steht auf zwei vor zwölf.
Man bräuchte einen Zauber-Elf ...

Der rote Knopf und das Atom:
ein Paar, das keine Mühe scheut.
Und ewig geistert das Phantom
des Untergangs durch unsre Zeit.
Der Frieden stößt auf Gegenwehr,
wir machen sein Erblühen schwer.

Ach, dass die Stunde nie erwacht,
da ein Atomkrieg Wahrheit wird.
Denn ist das Feuer erst entfacht,
des Funken schon den Kern umschwirrt,
dann ----- NEIN, Gedanken, denkt es nicht.
Gebt diesem Albraum kein Gewicht.



(c) Bettina Lichtner

Medaillen-Träume



Es ist die Brust vor Stolz geschwellt,
sie ziert ein güldnes Rund.
Der Sieg ist aufs Podest gestellt.
Der Jubel brandet, und die Welt
schweißt sich zum Freudenbund.

Olympisch ist der Geist gesinnt,
und friedlich die Mission.
Das Wir setzt alles und gewinnt,
derweil das Ich wie Sand zerrinnt.
Wir alle sind Nation.

Das Kämpferherz, es bebt und schwitzt,
pulsiert und treibt voran.
Der Schatten, der im Nacken sitzt,
hat allen Eifer zugespitzt,
und wird zum Zuggespann.

Den Sieg im Blick. Medaillen-Traum.
Oh, Bronze, Silber, Gold -
so nah, doch dann, man glaubt es kaum -
so nah sind Traum sich und auch Schaum.
Trotzdem: Respekt gezollt.

Ein Wechselbad. Ein Nervenspiel.
Die Träne als Kumpan
bedient gehorsam das Gefühl,
ist freudig mal, mal instabil,
und folgt dem Seelenplan.

Gewinner aber ist das Wir
(wie oben schon erwähnt).
Olympia hat ein Gespür
fürs Miteinander.  Ja, das Wir
gehört mit Gold gekrönt.


(c) Bettina Lichtner

HInter den Wänden


Hinter den Wänden gespenstische Ruh'.
Niemand vernimmt dieses leise #MeToo.
Dort ist ein Kind in des Vaters Gewalt,
aber sein Flehen und Wimmern verhallt.
Missbrauch daheim - ein Tabu.

Wer sieht die Tränen im Kindergesicht?
Wer stellt die Täter ins Scheinwerferlicht?
Täglich vergeht sich erwachsene Lust
an einem Kind, sich des Handelns bewusst.
Aber publik wird es nicht.

Kindliche Seelen in teuflischer Hand.
Schweigen im Walde. Das Medienland
reißt sich um Storys zum Thema #MeToo,
hört diesbezüglich Betroffenen zu,
bietet die Fläche zum Brand,

Kindern jedoch, die ein Lustobjekt sind,
gibt man sich taub oder stumm oder blind.
Trüge man EINMAL solch kindliche Schuh,
hörte man EINMAL ihr leises "MeToo" -
wüsst' man, welch Schmerz sie umspinnt.

Still ist ihr Schrei. Viel zu still für die Welt.
Ziffern im Dunkeln, ums Kindsein geprellt.
Gleich nebenan, doch den Augen entrückt,
werden die Würden zu Boden gedrückt,
weil es der Lust so gefällt.

Hinter den Wänden gespenstische Ruh'.
Niemand vernimmt dieses leise #MeToo.
Dort ist ein Kind in des Vaters Gewalt,
aber sein Flehen und Wimmern verhallt.
Missbrauch daheim - ein TABU.



(c) Bettina Lichtner

Samstag, 3. März 2018

Fügen wir uns ...


Hast du uns vergessen, Frühling?
Alles hungert nach dem Feeling
deiner wohltuenden, zarten
süßen Liebe. Sieh, der Garten
ist bereit, sich hinzugeben
deinem jungfräulichen Beben.

Wiesen, Wälder, Flüsse, Lüfte ---
alles wartet deiner Düfte.
Doch der Winter kämpft verbissen
um die frostige Kulisse.
Kalt und kälter will er 's treiben
und der Herr im Lande bleiben.

Ja, er scheint von Macht besessen.
Keiner da zum Kräftemessen.
Er kann walten nach Belieben.
Doch von seinen Kälteschüben
will die Welt nun nichts mehr wissen.
Er gehört hinausgeschmissen!

Wenn 's doch nur so einfach ginge!
Erste scheue Ankömmlinge
lassen dich, mein Lenz, erahnen:
Krokusse!! Ihr leises Mahnen
an den Winter, bald zu gehen,
lässt sich allerorten sehen.

Hoffnung, dass die kalten Stunden
baldmöglichst ihr Ziel gefunden,
macht sich breit, ganz still und sachte.
Wer jedoch euphorisch dachte,
dass der Winter nun verschwände,
malt nur Schatten an die Wände.

Weiter pfeift der Wind von Osten,
steht der Frost auf treuem Posten,
frieren wir bis auf die Knochen,
kommt das Eis ins Land gekrochen,
während Krokusse im Garten
schweigend auf den Frühling warten.

Schweigen ist vielleicht das Beste.
Schließlich sind wir eh nur Gäste!
Gäste, von der Zeit geladen;
deren Wettereskapaden
sollten wir als Schauspiel sehen,
dessen Akte schnell vergehen.

Ein paar Tage voller Kälte
nötigen uns gleich zur Schelte.
Doch uns bleibt nur, uns zu fügen,
uns im Jahreskreis zu wiegen,
mit dem Wetter Freund zu werden
für die kurze Zeit auf Erden ...


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 1. März 2018

"e"


Zwischen Grippe und Gerippe
hockt ja nur ein kleines "e".
Grippelnd tanzt du auf der Klippe
zwischen Grabschlucht und der Höh'.

Und du hustest dir die Lunge
aus dem Leib und hoffst dabei,
dass es bis zum Grabessprunge
noch ein langer Zeitmarsch sei.

Deine kranken Glieder zittern.
Deine Stirn ist schweißgetränkt.
"Kann der Tod mich gar schon wittern?",
ist 's, was dein Gedanke denkt.

Keine Mahlzeit will dir schmecken.
Pfunde sagen dir Adieu.
Malst dir Szenen vom Verrecken
im so fiebrigen Milieu.

Starrst im Bett nur an die Wände,
und dein Reichtum starrt zurück.
Kriegt der Tod dich in die Hände,
ach, was nützt dir dann der Schnick?

Von den Schmerzen jäh bezwungen,
liegst du da, bewegungslos.
Und so legst du notgedungen
deine Hände in den Schoß.

All die Arbeit muss nun warten,
bis die Kraft dir wiederkehrt.
Von dem harten Kern im Garten
hast du vage mal gehört.

An solch jämmerlichen Tagen
hätt'st du gerne Wünsche frei.
Wüsstest auch sofort zu sagen,
was dein Herzbegehren sei:

dass die Mutter zu dir käme,
da zu sein an deiner Seit'
und dir alle Schmerzen nähme
wie in alter Kinderzeit.

Dass sie da wär', dich zu pflegen
mit viel Liebe und viel Herz,
dir die Hände aufzulegen,
dass es lindert deinen Schmerz.

Doch den Kinderschuh'n entwachsen,
kämpfst du mutterseel'allein.
Und du wünschst dir, nie erwachsen,
sondern ewig klein zu sein ...


(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 28. Februar 2018

Ein Weilchen nur


Die letzte Fahrt ging übern Regenbogen
in eine Stadt, die nicht von dieser Welt.
Dort hab' ich wartend meinen Platz bezogen,
derweil die Liebe uns umschlungen hält.

Ach, weine nicht, weil ich dem Blick entschwunden.
Du lebst im Jetzt, ich warte hier im Gleich.
Wie wir auf Erden einstmals uns gefunden,
begegnen wir uns auch im Himmelreich.

Ich nutz' die Wartezeit zum Sternezählen,
von denen einer schöner noch als der.
Ich sehe Stille sich und Glück vermählen.
Wie fällt das Warten mir beizeiten schwer ...

Der gute Mond will mir die Zeit vertreiben
und gießt das Füllhorn all der Träume aus,
die wir auf Erden träumten, und sie bleiben
auf Ewigkeiten nun in seinem Haus.

Ich halt' den Regenbogen fest in Händen.
Er ist die bunte Brücke hin zu dir.
Einst wird das Warten ja für immer enden,
dann kommst auch du, mein Liebster, her zu mir.

Ein Weilchen nur. Was will schon Zeit bedeuten?
In meiner neuen Stadt schlägt keine Uhr.
Ich werde dir das Paradies bereiten.
Es ist das Warten ja ein Weilchen  nur ...

Es spannt der Bogen sich zu deinem Herzen
und nimmt dem Warten alle Ungeduld.
Wir müssen wohl den Augenblick verschmerzen,
denn alle Ungeduld birgt nur Tumult.

Am End' des Regenbogens treu zu warten,
das ist der Sonnenschein im Seelengarten ...


(c) Bettina Lichtner

Das aufgemachte Fass


Ein Streit im Haus von irgendwem.
Die Lage ist nicht angenehm.
SIE sitzt am Küchentisch und schweigt,
derweil ER ihr die Meinung geigt:

"Ich hab' es x-mal dir gesagt:
Wenn deine Eifersucht es wagt,
zu schnüffeln, ob ich untreu sei,
dann stell' ich mich dem heißen Brei.

Du suchst nach Haaren am Jackett,
nach Botschaften im Internet,
durchforstest gar mein Telefon
wie ein besessener Spion.

Und findest nichts, was den Verdacht
zu einem Fass mit Boden macht.
Du dichtest mir Affären an,
die, wenn nicht jetzt, dann irgendwann ...

Ich schwor 's bei meinem eignen Blut,
dass meine ganze Liebesglut
alleine sich nach dir verzehrt,
und dich alleine nur begehrt.

Ich kroch auf Knien vor dir her,
verausgabte mich beim Verkehr,
versprach dir hoch und heilig fest,
dass keine Frau mich wanken lässt.

Umsonst, umsonst. Du glaubst mir nicht,
und sagst mir haltlos ins Gesicht,
ja, unterstellst mir rigoros,
ein Fremdgehen von Schoß zu Schoß.

Es reicht mir! Deine Eifersucht
fällt wieder mal mit ganzer Wucht
in unsere Beziehung ein,
und wieder soll ich Täter sein.

Du stellst mich wieder an die Wand
mit Hirngespinsten in der Hand.
Ich packe und verlass' dich jetzt,
weil mich dein Misstrauen verletzt ..."

SIE sitzt am Küchentisch und schweigt,
derweil ER ihr die Meinung geigt.
Die Eifersucht steht mittendrin
und hält der Maus den Käse hin.

Die aber hat den Käse satt
und nimmt - des Fallenstellers matt -,
den Mut, den das Verlassen braucht,
ins Pfötchen und ist abgetaucht ...


(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 27. Februar 2018

Kennste den?


Ein Kind geht durch den Supermarkt,
und Schritt für Schritt für Schritt erstarkt
in ihm der Wunsch nach dem und das.
Es sagt zur Mutter: "Kauf mir was!"

Die Mutter denkt im Traum nicht dran,
da fängt das Kind zu zetern an.
Ein Drama - g'rad wie einstudiert -
wird nun vom Blagen vorgeführt:

Erst färbt der Kopf sich puterrot,
alsdann ein Schrei, dann Atemnot,
dann fällt das Kleine bäuchlings hin,
und stößt sich zwei-, dreimal das Kinn.

Die Fäuste schlagen wechselweis'
auf den Beton und geben preis,
welch Kraft im jungen Körper steckt.
Auch wird die Zunge rausgestreckt.

Beim Wortschatz fragt man sich sodann,
woher das Kind wohl wissen kann,
mit welchem Wort man Schaden fügt.
Fürwahr, ich hätt' es gern gerügt ...

Die Füße trommeln wild und hart,
so ungefähr von jener Art
wie 's Rumpelstilzchen einst getan
in seinem Märchennamenwahn.

Jetzt wälzt das Kind sich hin und her,
und kreischt und strampelt immer mehr,
so dass der letzte auch erkennt:
hier kämpft ein wirkliches Talent.

Und plötzlich Stille. Lebt es noch?
Das Kind, nun kraftlos, schwieg und kroch
am Boden wie ein Wurm im Dreck.
Es rafft sich auf und lächelt keck.

Sein Plan ging auf. Sein Wunsch? Erfüllt.
Ich flüstere ihm: "Gut gebrüllt."
Die Mutter lässt ihm freie Wahl
nach der gekonnten Nervenqual.

Mit stolzer Brust verlässt das Paar
den Ring, der eben Kampfplatz war,
und Ruhe,  R U H E  macht sich breit
nebst allgemeiner Heiterkeit.


(c) Bettina Lichtner

Montag, 26. Februar 2018

Strenger Zeitgenosse


Die Sonne tanzt auf kalten Lippen,
und lässt sie von der Wärme nippen,
als sei 's ein Kuss vom Himmelblau.
Der Ostwind treibt 's indessen rau
und drängt sich unter Winterkleider,
als höhne er dem Meister Schneider,
des Mäntel viel zu dünn genäht,
fernab von Frostschutzqualität.
Es sehnt mein Körper sich nach Hitze!
Der Ostwind treibt es auf die Spitze
und kriecht sogar in Mark und Bein.
Da lädt ein Tee zum Tauen ein.
Die Hände um die heiße Tasse -
schon rötet sich das eben blasse
und eisgekühlte Angesicht.
Dem Ostwind, dem behagt es nicht.
Er tobt nun vor der Fensterscheibe
und käme gern in meine Bleibe,
doch ist der Zutritt ihm verwehrt.
Ich habe seinen Zorn gehört,
das Brausen seiner Atemzüge.
Ich lache drüber, sitz und schmiege
den heißen Tee an meine Brust
und gönne mir die stille Lust,
gewärmt bis in die Fingerspitzen
zufrieden im Café zu sitzen,
ganz ohne Wind auf meiner Haut,
der draußen stürmt, statt dass er flaut.
Er spielt sein Spiel mit den Passanten,
und liebt den Part des Dominanten,
der streng sich zu den Menschen neigt,
bis jedermann sich vor ihm beugt.
Ja, ja, der Ostwind weiß zu quälen.
Wie gut war 's, den Moment zu wählen
in dem behaglichen Café´.
Hier treibt kein Wind sein Ach und Weh.
Hier scheint die Sonne durch die Scheiben,
und lässt den Ostwind Ostwind bleiben ...


(c) Bettina Lichtner

Samstag, 24. Februar 2018

Die Flucht des Matrosen


Einst schipperte ein Jung-Matrose
- Jahrzehnte ist es her -
mit einer dunkelroten Rose
im Boot auf einem Meer.

Er hat das Weite suchen wollen,
zu eng war 's ihm an Land.
Dort hätt' er Hochzeit feiern sollen,
was er erdrückend fand.

Die Rose, die ihm nun zur Seite,
war für die Braut gedacht,
verfehlte sie um Haaresbreite
und hat sich rar gemacht.

Der Duft der Blume und die Wellen,
dazu der raue Wind  ---
die Freiheit weiß um die Gesellen,
die ihrer nützlich sind.

Das offne Meer! Matrosen-Lachen!
Die Ehe? Über Bord ...
Kein Ringlein kann ihn dingfest machen.
Das Nein sein Lieblingswort.

Er wirft die Kräfte in die Ruder,
kein Land ist mehr in Sicht.
Die Braut nimmt sich den Zwillingsbruder,
weil er sich ihr verspricht.

Und der Matrose? Bleibt verschwunden.
Die Sippe spekuliert:
"Vielleicht hat er den Tod gefunden
und sich verkalkuliert.

Vielleicht hat ihn ein Wal gefressen.
Vielleicht kam er zurück,
versteckte sich und hofft indessen
auf neues Liebesglück.

Hat ihn ein Frachter aufgelesen?
Fand er ein Eiland gar?"
Die Sippe zog diverse Thesen
herbei an manchem Haar.

Das Boot samt Rose ist gestrandet,
wo 's niemand je gedacht:
dort, wo die Macht des Meeres brandet,
hat es Station gemacht.

Doch den Matrosen fand man nimmer.
Man denke, was man will.
Sein angedachtes Frauenzimmer
weint um den Liebsten still.


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 22. Februar 2018

Rattenfänger


Am Baume stand ich angelehnt.
Am Stamm der hundert Ringe,
und habe mich hinfort gesehnt
vom Ort der tausend Dinge,

von dem Zuviel des Drumherum,
den Werten ohne Werte,
dem ganzen Sammelsurium,
das nichts als Habgier lehrte,

das Müllberge hervorgebracht,
und Schuldenfallen streute.
Die nimmermüde Werbeschlacht
macht fortwährende Beute.

Wir laufen blindlings hinterher,
als rief' ein Rattenfänger:
"Kauft dies, kauft das, kauft immer mehr!!"
ICH folge dem nicht länger!!

Es ist genug. ES IST GENUG!
Was gibt es noch zu brauchen?
Bald kommt der letzte Atemzug,
das letzte Lebenshauchen,

und uns umgibt ein Meer aus Müll ...
Wir nehmen nichts mit rüber!
Es reicht mit all dem Werbe-Drill.
Ach, ich enthalt' mich lieber.

Ihr könnt frohlocken, wie 's beliebt:
mein Geldhahn bleibt geschlossen,
weil 's "WILL-ICH -HABEN" nicht mehr gibt.
Jetzt wird das Sein genossen!


(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 21. Februar 2018

Das Tagebuch


Die alte Frau im Heim der Alten
hat still ihr Tagebuch gehalten,
und liest darin und lässt es sinken,
denn die Erinnerungen trinken
von Tagen, die nach Wehmut schmecken.
So schön, sie wieder aufzuwecken ...

Dort sind die frohen Kinderstunden
in viele Zeilen eingebunden
und atmen weiter, so als seien
Erinnerungen ihr Gedeihen.
Sie leben auf durchs stete Lesen,
als seien sie nie fort gewesen ...

Sie tanzen auf dem Seil der Zeiten
wie eh. Kein Wort von Neuigkeiten.
Die Schritte, die sie einstmals gingen,
geh'n, wie die Zeilen sie einst fingen,
und wie der Stift sie einst geschrieben.
Wie Freunde, die zur Seite blieben.

Vor Augen geben alte Tage
ihr Stelldichein, mal klar, mal vage.
Dort wird lebendig, was verloren.
Die innren Augen, innren Ohren
ergötzen sich am Altbekannten,
am Glühen alles Eingebrannten:

Da hüpfen kleine Kinderbeine
vergnüglich über Stock und Steine.
Der Puppenwagen wird geschoben,
und Omas alte Garderoben,
die kleinen Kindern so gefielen,
sind herrlich zum Theaterspielen.

Da flechten Blumen sich zu Kränzen,
da fassen Hände sich zu Tänzen,
es spielt der Opa Hoppereiter
und klettert auf die hohe Leiter,
um Drachen aus dem Baum zu graben,
die sich darin verfangen haben.

Da backt der Vater einen Kuchen,
und lacht, denn bei den Backversuchen
vergisst er Eier oder Butter
und erntet Schelte von der Mutter,
die dann zum Bäckerladen radelt
und dort nochmals den Vater tadelt.

Ja, ja .... durchs Tagebuch zu wandern
von einer Stunde hin zur andern,
das macht die alte Frau zu gerne.
Dann ist sie glücklich. Das Moderne,
das schreibt sie nirgendwo mehr nieder.
Sie liebt den Klang der alten Lieder ...


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 15. Februar 2018

Übersetzungsversuche


Auf dem Schornstein thronen sieben schwarze Raben,
über weltliche Belange ganz erhaben.
Und sie krächzen um die Wette !
Wenn ich doch verstanden hätte,
an welch' Dingen sich die Rabenseelen laben.

Doch ich weiß es nicht, drum muss ich phantasieren,
über was die Federschwarzen diskutieren:
Ob sie hoch auf den Gemäuern
ihre Beutezüge feiern?
Oder ob sie einen Schlager komponieren?

Vielleicht planen sie vom Ausblick der Kamine
ganz begeistert einen neuen Flug ins Grüne?
Sie besprechen ihre Route
bis ins kleinste der Minute,
unter Anbetracht der sonstigen Termine.

Kann auch sein, dass sie den Gruppenzwang benutzen,
um verbal das Nest der Taube zu beschmutzen,
die im Laubbaum um die Ecke,
zwischen Brom- und Lorbeerhecke,
vier, fünf Stunden braucht, die Brutstätte zu putzen.

Vielleicht sind sie allsamt Re-Inkarnationen,
deren Seelen nun in Rabenkörpern wohnen!?!
Kann doch sein, sie waren Leute
mit dämonenhafter Seite,
die nun Raben sind als strafende Lektionen!?

Oder sind sie die berühmten Sieben Weisen,
deren Worte um den Stein der Weisen kreisen?
Sind sie schlaue Professoren?
Sind sie Herrscher? Diktatoren?
Gar Schmarotzer, die von Überflüssen speisen?

Sind es Herren? Sind es Damen? Schwer zu sagen ...
Zwei Parteien, die sich einfach nicht vertragen?
Sind 's Geschlechter-Rangeleien?
Oder Gruppen-Liebeleien?
Sind es Mütter in Gesprächen ob der Blagen?

Oder höre ich die Raben etwa lachen,
weil die Menschen sich 's so schwer im Leben machen?
Ach, ich würde gern' verstehen,
wie die Raben Menschen sehen.
Vielleicht seh'n sie uns als habgierige Drachen?

Tausend Möglichkeiten könnte ich erdichten
über sieben Raben und die Krächz-Geschichten.
Könnte dieses, jenes schreiben,
doch ich lasse es nun bleiben,
denn schlussendlich ist 's ein Haufen von Gerüchten.


(c) Bettina Lichtner

Tausche Sein gegen Nichtsein



Es strandet am Ufer das todmüde Leben
und sehnt sich zur anderen Seite.
Es möchte sich selbst keine Stunde mehr geben,
und lechzt nach unendlicher Weite.

Sein Streben und Trachten nach köstlicher Fülle -
es ward ihm zum treibenden Jagen.
Es tauschte so gerne den Lärm gegen Stille,
die Leichtigkeit gegen 's Ertragen.

Die Ruh' über Wipfeln erträumt es als Wiege,
zu betten den Körper in Frieden.
Der Atem geht sachte noch einige Züge,
dann ist er aus allem geschieden.

Erwachen im Drüben. Ein Lachen. Ein Freuen.
Ein Tanzen nach kindlicher Weise.
Die Seele umjubelt ihr eignes Befreien
nach irdisch beschwerlicher Reise.

Von Schmerzen verlassen. Von Sorgen entbunden.
Ein Mitleid mit denen, die blieben.
Am ewigen Ufer sich selber gefunden.
Kein Blatt mehr mit Tränen geschrieben.

Von Ahnen empfangen. Ein Festmahl gehalten
inmitten der schmerzlich Vermissten.
Vorbei alles Schalten. Vorüber das Walten.
Vergessen das einsame Fristen.

Die Engel posaunen. Die Chöre erklingen.
Die Liebe darf laut triumphieren.
Auf Erden ein Jammern. Im Himmel ein Singen.
Das Wahre entflieht dem Maskieren.


(c) Bettina Lichtner

Freitag, 9. Februar 2018

Kein Ende in Sicht


Es lugt durchs harte Winterfeld
ein Krokus in die kalte Welt
und hält sein zartes Angesicht
ins aufgehende Sonnenlicht,
und zagt und zaudert nicht.

Ein Dackel sucht ein Pissoir,
und denkt sich: "Ei, wie wunderbar,
die Blume dort, die soll es sein!!"
Er stellt sich hin. Er hebt das Bein,
drauf geht die kleine Pflanze ein,

und denkt beim letzten Atemzug:
"Ich sah das Licht. Das sei genug.
Das trage ich ins Himmelszelt
als Souvenir von dieser Welt.
Wohlan, mein Leben fällt ...."

Dem Dackel ist es einerlei
(und auch den Menschen nebenbei).
Ein Blümchen tot? Naja. Na und?
Das Zwiebelchen im Untergrund
treibt bald schon wieder bunt.

Dann geht der Kreis von vorne los:
der Krokus blüht im Erdenschoß,
der Dackel sucht ein Pissoir,
er hebt sein Bein wie jedes Jahr
im Monat Februar.

Und die Moral aus dem Gedicht?
Ein Ende ist ein Ende nicht.
Es scheint ja gar wie Hexerei:
just schien die schöne Zeit vorbei,
da ward sie wieder neu.


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 8. Februar 2018

Potpourri


Ich träumte, dass der Mann im Mond
ein Dichter sei, der still vertont,
was Menschen ihm einst dargebracht
in mancher lauen Sommernacht.
Ein Potpourri aus Leid und Glück
verwob der Mondmann mit Geschick.

Sein Verslein las sich etwa so:

"Oh, Liebe, ach, du schmerzt mich so.
Oh, Liebe, ach, du süße Braut,
die erst sich ziert, darauf sich traut,
die heute stark ist, morgen schwankt,
die schüchtern weicht und heiß verlangt,

die eben will und plötzlich nicht,
die schweigend tausend Bände spricht,
die hier verletzt und da verzeiht,
die lügt und liebt im gleichen Kleid,
die Herzen aus den Brüsten reißt
und anderswo zusammenschweißt,

die zaubern kann und töten auch,
die Schmetterlinge trägt im Bauch,
die 's Lachen kennt und die Gewalt,
die Hände mal zu Fäusten ballt,
mal streicheln, wärmen, trösten lässt,
die Trauer ist und Freudenfest,

die fällt und steht und fällt und steht,
doch niemals je zugrunde geht,
die wie ein kleiner Nimmersatt
sekündlich neue Wünsche hat ......

Oh, Liebe, ach, lass mich verschont.
Lass mir die Einsamkeit im Mond."


(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 7. Februar 2018

Durch den Dreck



Der Sprachschatz ist geplündert worden
von rohen, rauen, wilden Horden,
die all die schönen Wortgebilde
mit Füßen treten. Keine Milde
gebühre diesen Wortverächtern,
den Teufels-Söhnen und auch -Töchtern.

Die schöne Sprache! Gott bewahre,
dass diese zarte, wunderbare,
betörende und zauberhafte
Magie vergeht. Nein, ich verkrafte
den Tod derselbigen mitnichten!
Mich schmerzt, wie sich die Reihen lichten.

Die Reihen all der positiven,
ja ... Helden zwischen aggressiven
und explosiven Störenfrieden,
die scheinbar nimmermehr ermüden,
sich laut ins Rampenlicht zu drängen
durchs Vortragen von Sprechgesängen.

Was kriegt das Ohr für Schund zu hören!?
Es will sich der Gehörgang leeren
von durch den Dreck gezog'nen Wörtern
(ein Zeitverlust, sie zu erörtern).
Schon wird der Singsang nachgesprochen!
Moral, Moral - ich hör' dich pochen!

Es kommt ein Hexensud zustande,
gebraut von einer Narrenbande!
Ein PFUI darauf und ein Zensieren.
Die Kinderzungen zu verführen,
der Gossensprache nachzulaufen,
ist mehr als nur zum Haare raufen.

Zurück, zurück zu alten Zeiten
der sprachlichen Besonderheiten.
Zurück zur feinen Ausdrucksweise,
denn unverträglich ist die Speise,
die sie dem jungen Volk servieren;
sie dient ja nur dem Irreführen.

Ein Gang durch heimatliche Gassen
lässt einen schnell das Ausmaß fassen
der neuartigen rohen Sitten!
Die ganze Sprache ist entglitten!
Ein Sprachsumpf voll Erbärmlichkeiten.
Niveaulos, finstre Menschenseiten!

Würd' Goethe heute auferstehen
und durch das Land der Dichter gehen,
ihm würde wohl das Blut gefrieren,
welch Worte heut' das Zepter führen!
Die Muttersprache schwer beschädigt,
und ihrer Schönheiten entledigt.

Er schüttelte sein Haupt und flöhe
zurück in seine Himmelshöhe.
Die Lust der Freud' wär' ihm vergangen.
Was er poetisch angefangen,
wird heut' so jämmerlich zerrissen
ganz ohne reuendes Gewissen.

Als wir als Kinder sprechen lernten,
welch Freude war 's! Und dann entfernten
wir uns vom sprachlichen Betragen,
so dass wir heute Wörter sagen,
die unter aller Würde hausen.
Oh, Zukunft, ich krieg' Muffensausen ...



(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 28. Januar 2018

Leicht wie eine Feder



Schwinge, Feder, schwinge, schwebe,
tauche ein ins Tintenblau,
dass ich dich ins Verslein webe,
ja, dass ich vor Freude bebe,
wenn ich deiner Worte schau.

Schreibe auf, was dich gelüstet.
Lass dem Zauber freien Lauf.
Ist 's die Liebe, die sich brüstet?
Hat ein Schmerz sich eingenistet?
Schreibe, Feder, alles auf.

Gar nichts soll verloren gehen!
Alles will geboren sein.
Lass mich, Feder, eiligst sehen,
wie die Dinge in mir stehen.
Weih' mich ins Verborgne ein.

Kann die Wahrheit wohl vertragen.
Bringe, Feder, bring' ans Licht,
was dir Geist und Seele sagen,
sei es Glück, sei 's Unbehagen:
schäme dich der Worte nicht.

Ich vermag es ja zu spüren,
dass dort irgendetwas schreit.
Irgendetwas sucht nach Türen,
liegt in tausendfachen Schnüren.
Halte, Feder, dich bereit.

Bündelt euch, ihr Schmerzgeplagten,
die ihr in mir fleht und weint.
All die Feinde, die euch jagten,
an euch zehrten, an euch nagten,
sie ergeben sich, wie 's scheint.

Brüllt heraus, was euch zerrissen.
Ihr seid frei. So höret:  F R E I .
Fort, nur fort aus dem Gewissen,
wo ihr euch so festgebissen.
Gebt der Feder euren Schrei,

dass sie fängt, was euch bedrückte.
Sie bringt eure Pein ans Licht.
Seien es auch weltentrückte,
unbegreifliche, verrückte
Szenen, ach, verschweigt sie nicht.

Kann es bessre Wege geben,
als den Käfig aufzutun?
Gebt den Dunkelheiten Leben!
Helft, sie aus dem Grab zu heben,
dass sie nimmermehr dort ruhn.

So erwacht euch eine Stunde,
die der Sonne zugeneigt.
Gebt der Feder eure Wunde,
die im tiefsten Seelengrunde
viel zu lang' vor Kummer schweigt.

Raus damit. Vorbei das Schweigen.
Die Befreiung ist vollbracht.
Feder und Papier sind Zeugen,
das sich neue Tage zeigen,
frei von aller Seelenfracht.

Frei zu sein ..... welch eine Gnade.
Frei zu sein von schwerer Last.
Frei von aller Maskerade,
wandelnd nun auf freiem Pfade.
Welche Freude mich umfasst .....


(c) Bettina Lichtner

Montag, 22. Januar 2018

Vom Pflichtgefühl


Die ältere Generation
vereinsamt, doch wen kümmert' s schon?
Man hofft, ein Ministerium
für das vergess'ne Publikum,
sei wohl die Lösung des Problems.
Doch ach, welch Irrtum des Systems!

Das, was sich schlicht "Gesellschaft" nennt,
hat sich vom Pflichtgefühl getrennt,
die Älteren - ob Frau, ob Mann -,
zu integrieren. "Wie und wann?
Weshalb? Wieso? Und warum wir?"
Das Ego hat kein Feingespür.

Man gibt von seiner Zeit nichts ab.
"Weil ich kaum Zeit fürs Eigne hab'!" -
so murren sie, von Angst geplagt,
dass sie sich denen, die betagt
noch widmen müssten, denn man möcht'
ein König sein und nicht der Knecht.

Verreisen. Feiern. Ich, ich, ich!
So steht ihr Sinn. (Nicht brüderlich.)
Ihr Jugendwahn verschleiert nur
den nimmermüden Lauf der Uhr,
die spürbar ihre Werke tut
bis zum Bestattungsinstitut.

Das Ego ruft uns lauthals zu:
"Vergiss die andren! Du bist du!
Ob alte Leute einsam sind ...
EGAL. Auch deine Zeit verrinnt !!
Wer will schon Samariter sein?
Auf, auf, genieß den Sonnenschein?"

So greifen wir nach jeder Lust,
und leben äußerst selbstbewusst.
Der Schlachtruf lautet: "ICH ZUERST."
Und wenn du was vom "Einssein" hörst,
gibst du dich taub. Spirituell
ist dir zu intellektuell.

Die Menschheit eins? Ein großes WIR?
Wir sind fürs Miteinander hier?
Das kommt dir nicht geheuer vor.
Du nennst es schwärzesten Humor,
bei dem das Lachen dir vergeht
und dir das Haar zu Berge steht.

"Soll doch das Ministerium
sich kümmern um das Altertum!",
denkst du. Du dummer Wicht!
Ich rate dir: vergiss nur nicht:
DU bist in ein paar Jahren schon
die ältere Generation.

Erst dann, mein Freund, versteht du ja,
wie schlimm es ist, wenn keiner da,
der deine Einsamkeit bemerkt,
weil er sein eignes Ego stärkt.
Was du nicht willst, das man dir tu,
das füg' auch keinem andren zu ...


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 18. Januar 2018

Fake-News-Award für alle



Auf der Erde wird nach Herzenslust getratscht,
wird erstunken und erlogen und ins falsche Licht gestellt.
Und wer ahnungslos in Minenfelder latscht,
dessen Leben wird zerrissen von den Mäulern dieser Welt.
Hinter Wänden, hinter Rücken
lauern mitmenschliche Tücken,
und sie suchen und sie finden ohne Ruh'.
Man wird durch den Dreck gezogen,
mit Konfetti aufgewogen,
aber niemals trug man jemals deine Schuh'.
Lauter Fake-News über den und über die:
alte zwischenmenschliche Philosophie.

Aber machen wir uns selber doch nichts vor:
wir war'n Opfer, waren Täter. Keine Seite ist uns fremd.
Keiner, der nicht schon ein böses Wort verlor
über irgendjemand sonst. Wer trägt ein lupenreines Hemd??
Es ist immer so gewesen:
man kann 's hören oder lesen:
wir geh'n ohne Skrupel aufeinander los.
Uns ergötzen in Intrigen,
das bereitet uns Vergnügen.
Da legt niemand seine Hände in den Schoß.
Lauter Fake-News über den und über die:
alte zwischenmenschliche Philosophie.

Aber wehe, wenn wir selbst das Opfer sind,
und man mahnend uns berichtet, was man über uns erzählt.
Wenn wir hören, was man sich zusammenspinnt,
ach, dann geben wir uns kränklich und das Lächeln wirkt gequält.
Dass wir selber - ja erst gestern -
uns beteiligten am Lästern,
ist uns neu; darüber denken wir nicht nach.
Spielen WIR die Opferrollen,
dann verbittern wir und schmollen.
In uns brennt es, wir ertragen kaum die Schmach.
Lauter Fake-News über den und über die:
alte zwischenmenschliche Philosophie.

Wahre Nächstenliebe fühlt sich anders an.
Aber davon ist die Menschheit wohl noch meilenweit entfernt.
Wenn die Zunge etwas wirklich richtig kann,
ist es Tratschen, ja zu tratschen haben Menschen nicht verlernt.
Ob 's die Großen sind, ob Kleine,
Alte, Junge, Arme, Feine -
allerorten wird getratscht seit eh und je.
Unwahrheiten zu verbreiten
liegt im Blut von allen Leuten.
Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende seh' ....
Lauter Fake-News über den und über die:
alte zwischenmenschliche Philosophie!


(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 14. Januar 2018

Goldnes Lichtlein


Es beugt der Mensch sich tief hernieder
vorm Leidenssturm und dessen Macht.
Schon werden ihm die Kräfte müder,
als ihm der Lebensgeist erwacht.

Er macht ihm Mut, nicht aufzugeben,
sich kühn zu stellen, stark zu sein.
"Empor! Empor, so sei dein Streben!
Dem Sturme folgt der Sonnenschein!!"

Der Sturm erscheint wie ein Gebieter.
"ZU BODEN, DU !!", befiehlt er streng.
Selbst hartgesottenen Gemüter
wird sturmgeprüft die Kehle eng.

Das Weh und Ach bäumt sich wie Wellen
im Herzen auf. Ein Meer voll Leid ...
Die Tränen treten über Schwellen
und tränken die Verlorenheit.

Es schreit der Mund: "Ich will 's begreifen!?!?
Warum der Schmerz? Was will er mir?"
Da spricht der Sturm: "Du solltest reifen
am schweren Los!" ..... "WARUM? WOFÜR?"

"Die Seele wächst in harten Zeiten,
auch wenn es andersrum erscheint.
Wenn Stürme deinen Weg begleiten,
dann sind sie dir zum Wohl gemeint.

Kein Lichtlein ohne Dunkelheiten.
Die Finsternis ist gottgewollt.
Die tiefsten Täler zu durchschreiten,
macht reicher noch als alles Gold.

Wer lernt, sein Schicksal brav zu tragen,
statt feindlich ihm gestimmt zu sein,
der weiß gewiss: nach dunklen Tagen
hüllt ihn die warme Sonne ein.

Es ist der Himmel unser Lehrer.
Dort steht geschrieben, wie es geht.
Der Schmerz, schwarz wie ein Schornsteinkehrer,
bringt jenem Glück, der drüber steht ..."


(c) Bettina Lichtner

Freitag, 12. Januar 2018

Sei dankbar, dass du lebst



Grauer Schleier, Nebelschwaden.
Wieder hat ein Tag geladen,
doch der Mensch beklagt das Wetter,
hätte es gern violetter
oder rötlich, wie auch immer.
Grau indes erweckt Gewimmer.
Armer Mensch!! Den Schwamm darüber !!!
Halte inne! Danke lieber,
dass du lebst. Welch eine Freude!
Deinen Tanz auf Messers Schneide
hast du wieder mal gewonnen!
Drum den Tag mit Dank begonnen!
Gegen höhere Gewalten,
die das Wetter uns gestalten,
kannst du sowieso nichts machen!
Unsere Seele möchte lachen!
Halte dir bewusst vor Augen,
eh die Sinne Trübsal saugen,
dass so mancher nicht erwachte,
der noch gestern planend dachte,
der vielleicht noch Träume hatte.
Und  D U  führst eine Debatte
mit dir selbst des Wetters wegen???
Glaube mir, das bisschen Regen
würde der, der nicht erwachte,
lieben, LIEBEN. Also sachte
mit der Wetternörgelei.
Morgen ist 's vielleicht vorbei ...


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 11. Januar 2018

alt & vergessen


Hochbetagte Einsamkeit
sitzt im Heim und hätte Zeit,
einen netten Plausch zu führen,
köstlich sich zu amüsieren,
in Gesellschaft Tee zu trinken,
in Geschichten zu versinken,
doch das Pflegepersonal
reagiert emotional,
würde gerne, kann ja nicht,
weil der Stress sich Bahnen bricht.
Ob da nicht Verwandtschaft wär'?
Wäre schon. Ist lange her,
dass Besuch ins Zimmer trat.
Der verwandtschaftliche Draht
hat schon lang' nicht mehr geglüht.
Doch Verzweiflung wär' verfrüht.
Vielleicht kommen sie ja heut'?
Was, wenn ja? Das schönste Kleid
zieht die Einsamkeit sich an,
kämmt das Haar, räumt auf und dann
sitzt sie da und wartet .... lang',
tage-, wochen-, jahrelang,
bis zu ihrer letzten Stunde.
Siehe da, welche frohe Kunde,
nach dem letzten Atemschnauf
tauchte die Verwandtschaft auf,
tat ganz traurig und betrübt,
doch - wenn 's was zu erben gibt -
weicht die Traurigkeit der Freud',
und man findet plötzlich Zeit,
- jetzt wo 's Mütterlein im Grab -
ihr gesamtes Gut und Hab'
aufzuteilen (oft mit Streit,
bis man sich sogar entzweit).
Ist das Zimmer besenrein,
wird es so wie immer sein:
hochbetagte Einsamkeit
sitzt im Heim und hätte Zeit ....


(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 10. Januar 2018

Hochmut vorm Fall


Ein Fräulein, zwanzig Lenze jung,
verlangt eine Entschuldigung
von einem, der am Straßenrand
gestraften Blicks, weil bettelnd, stand.
Er pfiff ihr nämlich hinterher,
nun macht sie ihm das Leben schwer.

"Sexist, verdammter!!", wettert sie.
Die Demut zwang ihn in die Knie.
Er habe es nicht so gemeint,
wie 's nun im Äußeren erscheint.
Es war als Kompliment gedacht
für ausstrahlende Übermacht.

Das Fräulein hob zum Keifen an,
da flüsterte der arme Mann
Poetisches, und drumherum
bestaunte ihn die Menge stumm.
Auch ich war dort, und hab notiert,
was der Gescholt'ne poesiert':

"Verzeihen Sie, vergeben Sie!
Mir stand der Sinn nach Harmonie!
Nie wollte ich verletzend sein.
Ich wollte auch kein Stelldichein
mit Ihnen. Nie im Leben nicht!
Ich bin auch nicht der Bösewicht,

den Sie in mir vermuten, ach ...
Ich gebe zu, ich wurde schwach,
als ich ihr Lächeln lächeln sah.
Es waren Freudensprünge da,
auch wenn ihr Lächeln mir nicht galt.
Es rührte mich. So bin ich halt ...

Sie sind so wunderschön gemacht,
doch als ihr Mund nicht mehr gelacht
und Feuer nur zu mir gespuckt,
da hat der Teufel hergeguckt,
direkt aus ihrem Angesicht.
Und ich? Ach, ich verstand es nicht.

Als wenn mein Pfiff ein Angriff war
auf ihre Ehre. Sonderbar ....
Ihr Äußeres so warm und zart,
ihr Inneres so kalt und hart.
Woher der Stolz? Warum die Wut?
Was birgt ihr Herz, dass da nicht ruht?

Wenn ich kein Obdachloser wär',
wenn ich - erlauben Sie die Mär -
ein Jüngling wär', recht muskulös,
gestylt, gepflegt, gekämmt, pompös,
und hätte dann den Pfiff getan?
Was sagten Sie dem stolzen Hahn?

Das gleiche, das Sie mir gesagt?
Nun sind Sie wahrlich überfragt,
ich brauche Ihre Antwort nicht,
weil 's Herz schon tausend Bände spricht ...
Nun stellen Sie sich aber vor:
Der stolze Hahn ist jetzt ein Tor.

Ich war der Hahn mit Geld wie Heu.
Gestylt, gepflegt, pompös .... vorbei.
Vom Leben kriegte ich den Tritt,
und mit der Zeit hielt ich nicht mit.
Ein Bettler nun. So kann es gehn.
Wie schnell sich manche Segel drehn ...

Dann kamen Sie, dem Engel gleich.
Und meine Knie wurden weich.
Ich träumte mich zurück ... zurück
in eine Welt, die voller Glück.
Verzeihen Sie, vergeben Sie.
Mir stand der Sinn nach Harmonie ..."

Die Menge staunte drumherum,
und lächelte und weinte stumm.
Das Fräulein stahl sich weg vom Fleck.
Poetisches war ihr ein Schreck.
Mein Herz indes war angerührt,
von dem, was jener poesiert' ...

Der obdachlose Dichter war
nach zwei, drei Stunden schon ein Star,
weil man ihn filmte und ihn jetzt
im Internet in Szene setzt.
Entdeckt, gepflegt, bescheiden, still,
schreibt er nun Bücher, wie er will.

Dem Fräulein dankt er. Wegen ihr
eröffnete sich Tür um Tür
bis hin ins große Rampenlicht.
Sie aber interessiert es nicht.
Wohl dem, der es ja nie vergisst:
Schnell geht es, dass man unten ist ...


(c) Bettina Lichtner

Samstag, 6. Januar 2018

Der Herrscher


Da streiten zwei. Der Grund? Egal ...
Es fliegen Worte um die Ohren.
Erst eins, dann zwei, dann ohne Zahl.
Man hat die Contenance verloren,
und just das Kind der Wut geboren.

Ein Dritter naht, der schlichten will.
Er redet scheinbar gegen Wände,
denn weder A noch B schweigt still.
Schlussendlich ballen sich die Hände,
es droht ein Kampf mit bösem Ende.

Der Dritte packt die zwei am Schopf.
Sie zetern laut wie kleine Kinder.
Wie hitzig jeweils doch ihr Kopf,
wie ungestüm auch ihre Münder,
als seien 's beide Feuerzünder.

Der dritte Mann sucht Zeit und Raum,
den Streithähnen den Marsch zu blasen.
Indes ... sie hören ihn ja kaum.
Sie dreschen ihre leeren Phrasen,
bis dass es dampft aus ihren Nasen.

Da schreit der Dritte es heraus:
"ES IST DIE WAHRE KUNST AUF ERDEN
(und diesem Fakt gebührt Applaus),
EIN HERRSCHER SEINER SELBST ZU WERDEN
INMITTEN ALLER DROHGEBÄRDEN !!"

Jawoll. Das saß. Denn Ruhe war 's.
"Oh, Stecknadel, ick hör' dir fallen ..."
Die Zungen des verhassten Paars
verstummten jäh, und von Krawallen
kein Zeichen mehr. Zum Korkenknallen!!

Der Dritte nutzt die Gunst der Zeit,
sein Kunstansinnen zu erläutern:
"Die Selbstbeherrschung meidet Streit.
Sie möchte nicht am Jähzorn scheitern,
nicht sinnlos Sinnloses erweitern.

Wer friedlich bleibt in größter Schlacht,
der ist ein Künstler wohl zu nennen.
Er bleibt ganz ruhig und lacht und wacht,
dass innen keine Flammen brennen,
die ihn vom Glück des Friedens trennen.

Selbst wenn ihn jemand provoziert,
zerschellt das Wort an starker Mauer,
so dass es alle Macht verliert.
Und wird 's um ihn auch rau und rauer:
sein Seelenfrieden trotzt mit Power!"

Ach, da verstanden es die zwei.
Sie sahen auch die Nichtigkeiten
und das verbale Einerlei.
Statt also weiterhin zu streiten,
mutierten sie nun zu Gescheiten.

Sie wollten wahre Künstler sein.
Sie wollten diese Kunst erlernen.
Das freut den Dritten ungemein.
Ein bisschen Frieden unter Sternen!
Man musste nur das ICH entfernen ...


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 4. Januar 2018

Leere Waben


Still verschwanden von den Bühnen
dieser Welt die Honigbienen.
Die ich einst in Kindertagen
voller Ängste fortgeschlagen,
sind heut' übersichtlich rare
Einzelgänger-Exemplare.

Früher zogen scharenweise
Bienen summend ihre Kreise
von dem einen Kelch zum andern,
und man sah sie fleißig wandern,
sah sie sammeln und bestäuben
und im Takt des Sommers bleiben.

Aus den vollgefüllten Waben
floss das Süße auf den Klaben,
den die Großmutter mit Liebe
mir bereitet hat, wenn trübe
Augenblicke mich bedrängten
und ins Tal der Tränen zwängten.

Wollten aber flotte Bienen
meine Ängstlichkeit bedienen,
weil sie mir zu nahe flogen,
bin ich eiligst abgezogen.
Ihre vierzehn Millimeter
jagten mich oft Kilometer.

Heute sind sie all' vertrieben.
Keiner weiß, wo sie geblieben.
Einer munkelt: "Pestizide
machten muntre Bienen müde."
"Klimawandel ..." murrt ein schlauer,
im Detail recht Ungenauer.

Wie wir 's drehen oder wenden:
dass die Bienen jäh verenden,
hat der Mensch als Schuld zu tragen.
Wehmut trinkt von Kindertagen,
als die Bienen noch in Scharen
unsere Gesellen waren ...


(c) Bettina Lichtner

2018



Wie ein unbekanntes Land,
jungfräulich und nie betreten,
liegt das Jahr in unsrer Hand,
und wir werden still gebeten,
ihm ein Mitspieler zu sein,
und die Neugier zu erwecken.
Seine Stunden laden ein,
ihr Herz zu entdecken.

Zweitausendachtzehn
liegt so nackt in der Wiege der Zeit.
Nie gesehenes Land dieser Welt,
das so scheu sich ins Rampenlicht stellt.
Unbeschriebenes reinliches Blatt,
noch so fehlerfrei glatt ...

Es ist Wagemut gefragt,
denn die Angst verpasst das Beste.
Wer nicht zaudert oder zagt,
der erobert die Podeste.
Wer ein Abenteurer ist
und vor keinen Stürmen zittert,
wer die Liebe nicht vergisst,
wird nimmer verbittert.

Zweitausendachtzehn
liegt so nackt in der Wiege der Zeit.
Nie gesehenes Land dieser Welt,
das so scheu sich ins Rampenlicht stellt.
Unbeschriebenes reinliches Blatt,
noch so fehlerfrei glatt ...

Aller Anfang ist Magie.
Welch ein Zauber liegt im Warten
auf die Tage, die noch nie
ihren zauberhaften Garten
jemals jemand' aufgetan,
denn inmitten liegt verborgen
ein geheimer Seelenplan.
Wer fürchtet das Morgen?

Zweitausendachtzehn
liegt so nackt in der Wiege der Zeit.
Nie gesehenes Land dieser Welt,
das so scheu sich ins Rampenlicht stellt.
Unbeschriebenes reinliches Blatt,
noch so fehlerfrei glatt ...

Wer die Finsternis nicht scheut,
sich nicht duckt in schweren Stunden,
jenem leckt die gute Zeit
zuversichtlich alle Wunden.
Stellt euch in den Sonnenschein,
baut aus Wolken helle Pfade!
Dieses Jahr lädt wieder ein
an neue Gestade.

Zweitausendachtzehn
liegt so nackt in der Wiege der Zeit.
Nie gesehenes Land dieser Welt,
das so scheu sich ins Rampenlicht stellt.
Unbeschriebenes reinliches Blatt,
noch so fehlerfrei glatt.


(c) Bettina Lichtner