Mittwoch, 27. Dezember 2017

Schon vorbei


Schon vorbei, Freunde.
Alle Gaben sind verteilt.
Eben strahlten noch die Lichter
und es leuchteten Gesichter ....
Doch die Welt hat 's nicht geheilt.

Habt ihr unterm Weihnachtsbaum an die Kriege gedacht?
Hat der Hunger dieser Welt euch zum Einhalt gebracht?
Tat der obdachlose Nächste euch im Inneren leid?
Habt ihr selber all die Worte, die verletzten, bereut?

Schon vorbei, Freunde.
Alle Gaben sind verteilt.
Eben strahlten noch die Lichter
und es leuchteten Gesichter ...
Doch die Welt hat 's nicht geheilt.

Hat der Braten euch geschmeckt, der noch gestern gelebt,
dessen Blut an Metzgers Händen und an eurigen klebt?
Ward der Teller leer gemacht, oder landete ganz still
gar der Rest des armen Tieres ungegessen im Müll?

Schon vorbei, Freunde.
Alle Gaben sind verteilt.
Eben strahlten noch die Lichter
und es leuchteten Gesichter ....
Doch die Welt hat 's nicht geheilt.

Habt ihr nur an euch gedacht? War das EGO euer Herr?
War der Wunschzettel bescheiden oder wünschtet ihr euch mehr?
Ihr habt mehr noch als genug, seid ihr immer noch nicht satt?
Und wie oft habt ihr gedacht an den einen, der nichts hat?

Schon vorbei, Freunde.
Alle Gaben sind verteilt.
Eben strahlten noch die Lichter
und es leuchteten Gesichter ....
Doch die Welt hat 's nicht geheilt.

Schon vorbei, Freunde.
Alle Gaben sind verteilt.
Eben strahlten noch die Lichter
und es leuchteten Gesichter ...
Doch die Welt hat 's nicht geheilt.


(c) Bettina Lichtner

Sonntag, 17. Dezember 2017

Im Schatten des schönen Scheins



Wirbeln weiße Flocken durch die Luft,
zieht durch alle Räume süßer Duft,
ach, dann will 's auf Erden
wieder Weihnacht werden,
und es schwinden Sorgen und Beschwerden.

Glück und Freude gehen Hand in Hand.
Kinderaugen funkeln ganz gespannt.
Aber unterdessen
wird die Not vergessen,
die sich birgt im Winterwunderland.

Menschen, die zur Weihnacht einsam sind.
Menschen, wo das Pech die Fäden spinnt.
Menschen, die sich plagen
und die niemals sagen,
welchen Kummer sie im Herzen tragen.

Kriege, deren Sinn man nicht versteht.
Leben, deren Zeit noch heut' vergeht.
Hunger, der sich breitet.
Armut, die sich weitet.
Und die Zeit, die rasch am Zeiger dreht.

Anonymitäten Wand an Wand.
Wunder, die noch keiner jemals fand.
Träume ohne Träumer.
Letzte-Chance-Versäumer.
Dürrezeit und Milchaufschäumer.

Sind die hellen Kerzen aufgestellt,
sieht man nicht welch dunkler Schatten fällt.
Und beim feinen Essen,
ist die Not vergessen.
Wieder wird es Weihnacht in der Welt.


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Der Getreue


Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum,
hier stehst du nun und stirbst.
Was nützen Gold- und Silberflaum?
Der ganze Tand bewahrt dich kaum
davor, dass du verdirbst.

Vom Wurzelwerk so jäh getrennt,
erleuchtest du die Welt,
die kaum mehr deinen Wert erkennt,
noch seltener dich "Christbaum" nennt,
und nur die Gaben zählt.

Ach dazumal, da sang man dir
mit Inbrunst noch ein Lied.
Man öffnete die Stubentür,
bestaunte dich und deine Zier
und alle Sorge schied.

Der dich geheimnisvoll geschmückt,
tat 's zu der Kinder Freud'.
Hat dich mit Zuckerwerk bestückt,
dich strahlend in den Blick gerückt,
als Held der Weihnachtszeit.

Dein Festgewand - ein Augenschmaus!
Fürwahr, du hattest Charme.
Dein Kleid sah so bezaubernd aus.
Und zog dein Duft durchs ganze Haus,
da war 's ums Herze warm ...

Heut' gibt es dich als Plastikbaum
in weiß und gelb und rot.
Ein Schrecken mehr, statt Kindertraum.
Es strömt kein Duft mehr durch den Raum,
die Neuzeit ist dein Tod.

Was zählst du noch in einer Zeit,
wo Geld die Welt regiert?
Getreuer der Vergangenheit,
ich habe deine Lieblichkeit
so gerne angerührt.


(c) Bettina Lichtner