Sonntag, 22. Oktober 2017

sie & er & er & sie



Da steht ein Mann und hält sich stramm
die Augen zu mit festem Druck.
Man schert ihn übern Einheitskamm
im heutigen Sexismus-Ruck.

Drum gibt er sich jetzt frauenblind,
und fremdelt mit der Weiblichkeit,
versteckt sich wie ein kleines Kind,
naht sich ein holdes Damenkleid.

Von Busen will er nichts mehr sehn,
noch weniger von Bauch und Po.
Zwar ist die Welt jetzt halb so schön,
doch ist er auch kein Gigolo.

Kein Schmeicheln mehr, kein Kompliment.
Kein Pfiff mehr hinter jedem Rock,
weil sonst die Frau zur nächsten rennt
und ihn verpfeift als geilen Bock.

Ist eine dick, die andre dünn ---
kein Wort mehr übers äußre Bild.
Auch sieht er fortan nicht mehr hin,
wie sich die Frau von heut' verhüllt.

Betont sie ihre Reize gar,
betört ihn auch mit keckem Blick,
so gibt der Mann sich totenstarr,
und sendet kein Signal zurück.

Er stählt die Muskeln wie gehabt,
formt seinen Bauch, formt auch den Po,
bis dass die Weiblichkeit sich labt
an seinem Anblick, doch ..... oh-ho ...

was Mann nicht darf, das darf die Frau???
Sie pfeift ihm nach, kneift ins Gesäß ....
Welch ein Sexismus-Supergau ...
So ganz und gar nicht zeitgemäß ...

Darüber aber schweigt die Welt.
Denn Schuld ist immer nur der Mann.
Er steht wie blöde da und hält
die Augen zu, so fest er kann ....



(c) Bettina Lichtner

Freitag, 13. Oktober 2017

Was wir sind



Wir sind das Volk und doch die Narren.
Wir wählen brav und schlucken viel.
Man spannt uns vor den Ochsenkarren,
wo wir mit trägem Blick verharren,
g'rad wie in einem Trauerspiel.

Wir sind das Volk, doch unser Wille
wird allzu gerne ignoriert.
Wir kämpfen nicht, wir halten stille.
Wir schlucken artig jede Pille,
die uns die Politik serviert.

Wir sind das Volk, sind Stammtisch-Gröler.
Parolenschlacht bei Bier und Wein.
Wir suchen nach dem kleinsten Fehler
der Kandidaten - wie Pennäler,
und würden selbst die Besten sein.

Wir sind das Volk, sind müde Krieger.
Nicht Demonstranten von Format.
Wir wählen kreuzchenweise Sieger,
bisweilen manchen Überflieger,
und folgen blindlings ihrem Pfad.

Wir sind  e i n  Volk! Sind wir auch Brüder?
Wir sind im Herzen längst entzweit.
Es kriecht der Hass durch unsre Glieder
der Egoismus dichtet Lieder ----
ein armes Volk im Narrenkleid.


(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Pusteblumen-Liebe



Sei doch plötzlich nicht so feige,
weil ich dir die Meinung geige,
weil ich sage, was ich denke,
dich in deiner Ehre kränke.
Wahrheit, Liebster, muss ja sein!
Heut' zerbricht dein schöner Schein ...

Glaubst du, deine Heimlichkeiten,
deine vielen Schattenseiten,
seien große Unbekannte?
Nein, mein Freund, die Neugier spannte
längst den Bogen und den Pfeil.
Spare dir das Kriegsgeheul ...

Ach, dein armes Kartenhäuschen ...
Ja, ich spielte öfter Mäuschen,
und ich kam dir auf die Schliche.
Hunderte Vertrauensbrüche
habe ich ins Herz notiert.
Schau doch nicht so irritiert !?!

Mit Blondinen und Brünetten
hüpftest du durch deren Betten,
während du mir Glauben machtest
(und dich abgesichert dachtest),
dass du Überstunden schiebst.
Was du aber wirklich triebst,

konnte ich derweil nicht wissen.
Fremde nackte Haut zu küssen,
allenthalben fremdverkehren,
war dein heimliches Begehren,
während ich der Kinderschar
ahnungslos zu Diensten war.

Doch dann fand ich an den Hemden
Duft und Haare einer Fremden.
Lippenstift am weißen Kragen,
und dein Schweigen auf die Fragen,
die ich in die Stille warf,
stellten meine Blicke scharf.

Ich erzitterte und bebte!
Dass ich so im Nebel lebte
all die Stunden, Tage, Wochen,
ließ den Ärger überkochen.
Unverzeihlich, deine Tat.
Unverzeihlicher Verrat.

Eine Pusteblumen-Liebe ...
Fortgeweht durch deine Triebe,
deine niederen Gelüste!
Deine Gier auf fremde Brüste
hat mich allzu tief verletzt,
und mir einen Stich versetzt.

Nun wird uns der Richter scheiden!
Mich an deinem Leid zu weiden,
schmiert mir Honig um die Seele!
Meine Zeit tritt aus der Höhle
in ein neues Licht der Welt.
Du bist von dir selbst umstellt ...


(c) Bettina Lichtner