Dienstag, 14. Februar 2017

Ein gutes Geschäft


Erde zu Erde und Plastik zu Plastik.
Selbst auf dem Friedhof wird gründlich getrennt.
Halbvolle Kerzen verschwinden recht hastig,
eh noch ihr Docht bis zur Neige verbrennt.

Galt einst die Flamme dem Liebsten zum Gruße,
liegt die Umhüllung bald selber im Grab;
folgte dem Leichnam mit eilendem Fuße,
kaum dass sie schweigend ihr Stelldichein gab.

Flackernd in hellen und finsteren Stunden,
diente die Flamme zum Trost in der Not.
Trug doch so tapfer die Tränen und Wunden;
trotzte so wärmend dem eisigen Tod.

Konnte die Seele von oben wohl sehen,
dass diese Flamme ihr Grabwächter war?
Reichte der Schein in die himmlischen Höhen?
Nahmen die Sterne den Flammentanz wahr?

Während die Toten und Lebenden schlafen,
reckt sich die Flamme mit kämpfender Kraft.
Weil aber Regen und Sturmwind sie trafen,
ist sie bald selber zu Tode erschlafft.

Nichts will mehr helfen. Der Docht ist hinüber.
Ohne ein Dank fliegt die Kerze zum Müll.
Lauter Erloschene, drunter und drüber,
liegen vergessen und traurig und still.

Welch ein Konsum neben ewiger Ruhe.
Wahrlich, der Tod ist gutes Geschäft.
Ach wie so sinnlos ist dieses Getue,
welches nur blüht, weil es jedermann äfft.


(c) Bettina Lichtner