Sonntag, 15. Januar 2017

Vergiss den Hirten nicht


Es läuft das Schaf dem Hirten fort,
sich ohne ihn zu finden.
Das hochheilige Bibelwort
will 's nimmer an sich binden.

So geht das Schaf nun querfeldein,
gewillt, sein Glück zu schmieden.
Es kann ja nicht so schwierig sein.
Wer braucht schon Gottes Frieden?

Der Mut ist froh. Gestärkt die Kraft.
Das Herz gefüllt mit Träumen.
Das Heimweh hat es bald geschafft,
sich aus dem Weg zu räumen.

Die Ferne ruft. Das Schäflein zieht
durch alle Herrenländer.
Dass es derweil sich selbst entflieht,
entgeht dem kleinen Blender.

Auf einmal - völlig ungeahnt,
inmitten aller Freude,
hat sich der Trübsinn angebahnt.
Schon blitzt des Messers Schneide.

Soeben tanzte noch die Lust
am puren prallen Leben
auf jener Schneide, doch die Brust
hat still Alarm gegeben.

Die Träume waren aufgebraucht,
der Mut ganz tief gesunken,
die Kraft auf einmal ausgehaucht.
Das hat dem Schaf gestunken ...

Jetzt hat sich noch die Wut gesellt,
und Neid auf Frohgesinnte.
Auch Argwohn hat sich eingestellt.
War das des Teufels Finte??

"Oh, lieber Gott, was tat ich nur?
Nun brauch ich einen Hirten!!
Mein Inneres kommt aus der Spur
und will den Gram bewirten."

Der Hilferuf kam droben an,
und Gott ließ Gnade walten.
Noch eh das Schäflein sich besann,
ward es vom Herrn gehalten.

Der Herr mit Namen Jesus Christ
war nun sein Weggefährte,
dem 's Schaf brav aus den Händen frisst,
weil 's ja zu Ihm gehörte.

Welch schöne Reise war es jetzt
mit Jesus an der Seite!
Das Ego vor die Tür gesetzt,
und Platz der Gottesweite!

(c) Bettina Lichtner