Sonntag, 29. Januar 2017

Fahr zur Hölle!


Der Rehbock und der Jägersmann,
die sind sich nimmer grün.
Der Jäger legt die Flinte an,
der Rehbock rennt, so schnell er kann,
dem Tode zu entflieh'n.

Gewaltsam seiner Zeit beraubt,
liegt bald der Bock im Rohr.
Der gestern noch sein scheues Haupt
mir zugewandt, hat nicht geglaubt,
er stünd' vorm Himmelstor.

Ach gestern, ja, da war sein Sinn
rein paarorientiert.
Das Sterben ward ihm kein Gewinn,
und seine Zukunft schwand dahin,
als er exekutiert ...

Die Zukunft, blühend ausgemalt,
ward jäh im Keim erstickt.
Der Jägersmann hat laut geprahlt
und sich in seinem Glück geaalt,
als er den Bock gespickt.

Nun zieht der Bock als Duft durchs Haus,
und draußen weint ein Reh,
das ihn geliebt. Doch alles aus ....
Ihr Böcklein, nun ein Gaumenschmaus,
weiß nichts von ihrem Weh.

Schon bald gebiert das Reh ein Kitz
von eben jenem Bock.
Der Jäger sieht 's vom hohen Sitz,
und putzt genüsslich sein Geschütz,
dem Tierfreund wohl zum Schock ...

Der nächste Schuss - wann wird er sein?
"Doch, Jäger, warte nur!
Auch dich holt der Gevatter ein,
und schickt dich ganz und gar allein
auf deine Höllentour!!!"


(c) Bettina Lichtner