Mittwoch, 7. Oktober 2015

Viel Glück, Kleiner



Vaters' Hand trifft immer wieder, immer wieder trifft sie hart.
Und der Junge möchte fliehen, doch wohin?
Er ist gerade mal acht Jahre, seine Seele noch so zart.
Vaters Faust verfehlt nur knapp das kleine Kinn.

Auf dem Tisch steht eine Flasche mit 'nem letzten Schlückchen Rum.
Von der Mutter fehlt seit langem jede Spur.
Vater wütet wie ein Irrer, nennt den Jungen blöd und dumm.
Und der Grund? Eine missratene Zensur.

Grün und blau schlägt er den Knaben, was kein anderer sonst sieht.
Vor dem Haus spielt Nachbars' Tochter mit dem Hund.
"Selber Schuld!!!", entfährt 's dem Vater, "hätt'st dich besser mal bemüht!"
Und so geht es eine gute Viertelstund'.

Dann gelingt dem Jungen endlich doch die Flucht; er rennt hinaus.
Nachbars' Tochter bringt ihn eiligst ins Versteck.
Sie berichtet ihren Eltern von der Qual im Nachbarhaus,
und der Junge zeigt nun Fleck um Fleck um Fleck.

Die Behörden sind zur Stelle, nun geht alles seinen Gang.
Auch die Presse gibt noch fleißig Senf dazu.
Niemand wusste von dem Drama, das hier spielte - jahrelang.
Die Gerüchteküche gibt ja keine Ruh'.

Eine christliche Familie nahm den armen Jungen auf.
Endlich Wärme. Endlich Liebe. Endlich frei.
Und so nimmt sein junger Weg noch einen günstigen Verlauf.
Jetzt beginnt sein kleines Leben nochmal neu.



© Bettina Lichtner