Dienstag, 13. Oktober 2015

Die Gedanken sind ....



Die freien Gedanken - so köstlich besungen -
sind leider zu oft aus der Reihe gesprungen,
und standen sich selber im Weg.
Ich rief sie zur Ordnung (ist selten gelungen).
Sie haben sich dreist auf die Zunge geschwungen
und nannten sich laut SAKRILEG.

Sie schimpften, sie drohten, sie mordeten Seelen.
Wie Monster verließen sie Kerker und Höhlen,
zu bringen Verderben und Leid.
Ich bat sie zu flüstern, sie liebten das Grölen.
Sie übten sich ständig im bösen Verfehlen,
und wurden ein lästig' Geleit.

Sie waren für andre so schwer zu erraten,
sie rissen mich hin zu bedenklichen Taten,
die niemand zu deuten verstand.
Es waren so bittere, giftige Saaten.
Ich musste durch schlammigen Geistesgrund waten.
Wer wusste schon, was ich empfand?

Und ach, die Gedanken, sie wurden zur Schlange.
Sie würgten mein Leben und machten mich bange,
derweil mich die Menschheit verstieß.
Es dauerte ewig, es dauerte lange,
dann endlich nahm Gott meinen Geist in die Zange,
bis Hölle und Angst mich verließ.

Kein Mensch konnte schaffen, was Gott nun erreichte.
Er stillte die Stürme, er lauschte der Beichte,
und trieb alles Böse hinaus.
Er nahm mir das Schwere und gab mir das Leichte.
Er war 's, der die Seele mir heilte und eichte.
Nun fühl' ich mich endlich zuhaus'.



© Bettina Lichtner