Freitag, 31. Juli 2015

über Grenzen




Gedankenspiel am leeren Strand:
"Es hat die Welt nur wenig Land,
und auf dem abgesteckten Platz
jahrein, jahraus nur Hatz. Nur Hatz.

Doch nicht das Tier, nicht die Natur
steht auf dem Kriegsfuß mit der Uhr,
allein, allein das Menschenkind
lebt über die Gebühr geschwind.

Und wie penibel es doch wacht
(im äußersten mit Heeresmacht),
dass Grenzen zwischen Staat und Staat
(und selbiges gilt für privat)

bewahrt sind vor dem Übertritt.
Der Argusblick erkennt den Schritt,
der ebenda zuviel getan.
(Das Tier beschmunzelt diesen Wahn).

Nun treibt es aber seit Beginn
der Zeit die Menschen her und hin
(teils fluchtbedingt, teils urlaubsreif -
wie es auch sei, es bleibt ein Schweif

von Vielen, die so kreuz und quer
in Luft, zu Land und übers Meer
vor Grenzen, Mauern, Zäunen steh'n,
und ungeniert hinübergeh'n).

So war es schon in ferner Zeit.
So ist es immer noch und heut',
und immer noch gibt es Protest,
wenn man die Ströme fließen lässt.

Bei Grenzvergehen folgt schon bald
verbale oder Schlaggewalt,
denn Grenzen sind ein Heiligtum,
und tragen fragwürdigen Ruhm.

Egal ob zwischen Stadt und Land,
ob gar im Nachbarschaftsverband:
die Grenze übertritt man nicht!
Und weh', wer diese Regel bricht ...

Und nur weil es den Menschen gibt
(der seine Grenzen gar so liebt),
gibt es den Zaun, gibt es die Wand,
auf dieser Welt mit wenig Land.

Gibt es den abgesteckten Platz
mit seiner nimmermüden Hatz,
und mittendrin, mit Blick aufs Meer,
steh ich am Strand, der menschenleer ..."



(c) Bettina Lichtner