Donnerstag, 18. Juni 2015

Überall Sonne




Wir sehnen uns so nach warmen Sonnenstrahlen,
wenn der Herbst mit seinen Stürmen peitscht,
und der Winter sich für Monate übers Land legt.
Dann vermissen wir den strahlend blauen Himmel
und schimpfen übers ewig graue Firmament,
das auf unsre Seele drückt.

Die Sonne dort oben, dieser heiße Feuerball,
ist uns wichtig, macht uns sorglos, lässt uns lächeln.
Im Urlaub reisen wir der Sonne hinterher.
Wir hängen dem Meteorologen an den Lippen,
und hoffen, er sagt uns sonnige Zeiten voraus,
dass unsre Seele sich wieder aufrichtet.

Wenn uns die Sonne scheint, blühen wir auf.
Wir legen uns ihr zu Füßen, uns zu bräunen,
zu entspannen, zu träumen, zu vergessen.
Die himmlische Sonne baut das Gemüt auf.
Wie Ausgehungerte scharen wir uns unter sie,
dass unsere Seele wieder baumeln lernt.

Doch die Sonne hat so viele andere Gesichter.
Sie trägt so viele andere Kleider.
Mal kleidet sie sich in ein nettes Wort.
Mal in einen wärmenden Blick.
Mal ist sie ein einfacher Händedruck,
dass unsere Seele nicht verzagt.

Oft steckt sie unvermutet in einem unverhofften Geschenk.
Oder sie strahlt uns entgegen aus einem anderen Herzen.
Wie oft ist sie das kleine Licht am Ende des Tunnels.
Sie scheint in der kleinen unbemerkten Blume.
Sie strahlt wie im Himmel so auf Erden,
dass unsere Seele nicht friert.



"Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe." (Johannes 12,46)



(c) Bettina Lichtner