Mittwoch, 24. Juni 2015

eingekehrt




"Ich bin gar nicht musikalisch"
ruft ein Fräulein hin zum Mann.
'Schade nur', denkt er satanisch,
'dass sie Trübsal blasen kann ...'

Weiter denkt er im Geheimen
an ihr Katzenjammer-Lied,
wenn bei ihr die Sorgen keimen
(was nur allzu oft geschieht).

"Denkst du etwas, das mir schadet?",
fragt das Fräulein, ahnend schon,
das sein Geist in Zweifeln badet
und eventuell in Hohn.

"Sag es nur, ich seh 's im Blicke,
dass du irgendwas verschweigst.
Fülle doch die Wissenslücke
mir, indem du Flagge zeigst."

Und der Mann? Soll er es wagen?
Soll er kundtun, was er denkt?
Soll er ihr ins Antlitz sagen,
was ihm in der Seele hängt?

Denn das Fräulein lässt nicht locker:
"Bin ich musikalisch? Sprich!!"
"Ja!", sagt er. Sie haut 's vom Hocker:
"Bitte korrigiere dich!"

Er erzählt vom Katzenjammer,
und vom Trübsalblasen auch.
Sie rennt zeternd in die Kammer
und hat blinde Wut im Bauch.

Baut sich dort wohl ein Orchester.
Bläst die Trübsal vorneweg.
Von Neujahr bis zu Silvester
trägt sie schwer an diesem Schreck.

Als sie sich gesammelt hatte,
war der trübe Jammer fort.
Und ihr ehrenwerter Gatte
lobte sie mit Dankeswort.

Ihre Einkehr hin nach Innen
öffnete des Glückes Tor.
Das so liebliche Besinnen,
war Musik in Gottes Ohr ...



(c) Bettina Lichtner


"Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm." (Psalm 98,1)