Dienstag, 24. März 2015

wie du mir



'nem Schaf hat man das Fell geklaut.
Jetzt ist es Knochen nur und Haut,
und schämt sich in den Boden.
Es hat so traurig ausgeschaut,
wie 's da am grünen Halme kaut,
so gänzlich ohne Loden ...

Ein Rind der Rasse Galloway
fand 's Schafgejammer nicht okay:
"Es wird schon wieder wachsen!!
But all you have to do is pray,
and then your grief will go away ..."
Das Rind beliebt zu flachsen.

"Bin nicht zum Scherzen aufgelegt."
Das Schaf, das seine Trauer pflegt,
dreht prompt dem Rind den Rücken.
Es hat sich furchtbar aufgeregt,
weil 's Rindvieh wohl die Absicht hegt,
ihm Witz und Scherz zu schicken.

Das Galloway indes verharrt.
Das Schaf hat geradeaus gestarrt
und will vom Rind nichts wissen.
Das Galloway (im Wort nicht zart)
ruft laut hinaus: "ICH BIN BEHAART !!!
Ich könnt' mich selber küssen!!"

Das tat dem Schaf so richtig weh.
Es schwenkt herum mit einem Dreh
und schickt nun böse Blicke.
"Wenn ich in deine Augen seh',
ist es wohl besser, wenn ich geh'.",
sagt 's Rind. "Dein Blick birgt Tücke!"

Jetzt schnauft das Schaf, so wie ein Stier.
Sein Huf gräbt Furchen ins Revier
und seine Augen glühen.
"Ich warne dich! Geh weg von mir,
bevor ich die Geduld verlier'!"
Das Rind muss sich verziehen ...

Doch zieht 's nicht ohne einen Streich:
Es läuft stolzierend übern Deich
und schüttelt seine Haare.
Das Schaf wird bleicher noch als bleich.
Jetzt brennt die Luft im grünen Reich.
(Ich spar' mir Kommentare ...).

Da plötzlich steht die Fee im Tal
mit einer Schere und befahl
dem Galloway: "Knie nieder!!!"
Und schnipp und schnapp und noch einmal,
schon war das arme Rindvieh kahl.
Das Schaf: "Jetzt sind wir Brüder!!"

Und die Moral von dem Gedicht?
Verlache ja den andren nicht,
schlüpf' erst in seine Schuhe!
Das ändert meistens Sinn und Sicht,
und sorgt zudem ganz leis' und schlicht
für Frieden und für Ruhe ...



(c) Bettina Lichtner

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