Montag, 30. März 2015

Liebe auf Papier



Ein einsames Herz und ein leeres Papier,
die sitzen sich stumm gegenüber.
Es öffnet allmählich die Seele die Tür.
Schon setzt in noch scheuer, doch süßer Manier
die Liebe zum Blattufer über.

Dort wandert sie schweigend am schneeweißen Strand
und fischt in der Tinte nach Küssen,
doch zieht nur ertrunkene Träume an Land.
Die Angel der Sehnsucht liegt fest in der Hand
und möchte vom Traumtod nichts wissen.

Bald zappelt am Haken das lustvolle Wort,
und noch eins und wieder und wieder.
Schon kommt eine Feder und trägt sie hinfort,
die zappelnden Wörter, zum sicheren Ort,
und schreibt sie geordnet hernieder.

's sind lauter Gefühle, so wallend und frisch,
so flehend und säuselnd und schmachtend.
Ein wirres und brodelndes Silbengemisch
deckt reichlich und duftend den lieblichen Tisch,
gar jegliche Sattheit entmachtend.

Die Feder bringt Ordnung ins taumelnde Spiel
und schreibt alles Wirre ins Reine.
"Ein Herz zu erobern!" - so lautet ihr Ziel.
Sie kämpft sich beharrlich durchs Wörtergewühl
und gibt selbst den Scheuesten Beine.

Es füllt sich das Blatt und nimmt Form und Gestalt.
Die Liebe treibt farbigste Blüten.
Selbst zwischen den Zeilen erwächst sie schon bald,
hat Schreiber und Leser in sachter Gewalt,
doch will auch vor Fehltritten hüten ...

Das Tintenfass leer und die Blätter gefüllt -
das Wirre ins Schöne gebunden,
so malte die Feder ein kostbares Bild
allein für die Liebe und hat sie enthüllt,
und ließ sie ein Herztal umrunden.

Und landet schlussendlich genau mittendrin.
Gelohnt hat sich sämtliches Mühen.
Ein leeres Papier und ein Herz ohne Sinn,
die waren einander ein Seelengewinn
und brachten Verdorrtes zum Blühen ...




(c) Bettina Lichtner


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