Sonntag, 15. März 2015

Im Schwarz-Weißen



Ich schaue gebannt auf die Fotografie
aus uralten Zeiten und stelle mir vor,
ich wäre ein Teil dieser Bild-Szenerie.
Der Wunsch steigt mir stärker und stärker empor.

Schon hör' ich die Stimmen. Das Foto erwacht.
Ich träum' mich hinein in die schwarz-weiße Welt,
und schlüpfe ins Kleid eines Mädchens, das lacht
und glücklich ein Sträußlein aus Feldblumen hält.

Von fern naht die Kutsche, die Peitsche knallt laut.
Es duftet nach Brot aus dem Bäckergeschäft.
Ich hab' einer Magd auf die Finger geschaut.
Ein Hund sucht sein Herrchen und jault und kläfft.

Ich laufe zur Lene (die wohnt nebenan),
und lock' sie zum Spielen ins Freie hinaus.
Wir hüpfen und springen, so hoch man nur kann,
und schreien die Freude des Lebens heraus.

Der Karl kommt dazu und nachher noch der Paul.
Ich hab' meine Blumen dem Bettler geschenkt.
Da kommt auch die Kutsch' mit dem schwitzenden Gaul
und wird vorm Entladen zur Tränke gelenkt.

Schon ruft Opa Otto uns Kinder herbei.
Wir rennen, denn Otto hat Märchen parat.
So sitzen und lauschen wir stille bis drei
(der Otto ist wirklicher Wort-Akrobat).

Das Waschbrett schrubbt Wäsche durch Großmutters Hand.
Die Sense mäht Gras für das hungrige Vieh.
"WACH AUF!!", ruft mir wer und das schwarz-weiße Land
ist plötzlich nichts weiter als Fotografie ....



(c) Bettina Lichtner

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