Donnerstag, 19. März 2015

Der Schock



Ein Täuberich im Monat März
legt sein verliebtes kleines Herz
der Taubenfrau zu Krallen
(wohl, um ihr zu gefallen).
Das war dem Fräulein gar nicht recht
(sie stand aufs weibliche Geschlecht ...).

Der Täuberich, der glaubte nun,
es gäbe turtelnd viel zu tun,
die Maid zu überzeugen.
Die schwieg auf kahlen Zweigen,
und war genervt vom Balzgesang
(das zog sich manchmal stundenlang ...).

Sie schaute still dem Werben zu.
Es ließ der Herr ihr keine Ruh
und gurrte wie besessen.
Auf Eichen, in Zypressen,
und auch auf sonstigem Gehölz
umwarb er sie mit seinem Schmelz.

Er schwang die Flügel hin und her.
Sie hatte Angst. Er wollte mehr.
Ein Drama ging vonstatten.
Er wollte sie begatten,
sie floh nach hier und auch nach dort,
er folgte ihr und flog nicht fort.

"Ich möchte gar kein Kind von dir!
Ich bitte dich, lass ab von mir!!",
so schrie sie zu dem Grauen.
"Ich stehe nur auf Frauen!!!"
Da hat der Täuberich schockiert
so einen tiefen Schmerz gespürt.

Die Lesben-Taube lachte laut.
"Jetzt such' dir eine andre Braut.
Es gibt genug, die warten
in irgendeinem Garten,
auf irgendeinem andren Baum.
Was mich betrifft, heißt 's: AUS DER TRAUM."

Dem Täuberich sank 's Herz hinab,
als ob 's kein andres Glück mehr gab.
So hat er sich verkrochen,
und brauchte viele Wochen
um wieder auf die Balz zu gehn.
Man hat ihn niemals mehr gesehn ...



(c) Bettina Lichtner

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