Montag, 2. März 2015

C-A-F-F-E-E



Die Kaffeebohne aus Peru
sieht ihren Artgenossen zu
und leidet stille Qualen.
"Kein Weg der Flucht. Gleich wirst auch du
zu feinem Staub gemahlen."

Die Angst ergreift das Böhnchen, und
noch eh es rinnt durch Mund und Schlund,
da spricht es ein paar Worte:
"Bald bin ich Teil vom halben Pfund
der besten Kaffeesorte.

Ich werde kochend aufgebrüht,
und wenn mein Duft durchs Zimmer zieht,
sorg' ich für Wohlbehagen.
Doch, dass mir das Zermalmen blüht,
ist eher ein Unbehagen.

Es ist mir gleichsam angedacht,
dass man aus mir den Schwarztrunk macht,
der müde Geister kitzelt,
dass gleich die Energie erwacht
und mit dem Leben witzelt.

Sobald der Tag zur Türe tritt,
werd' ich gleich zwischen Schritt und Tritt
in aller Hast getrunken.
Doch wenn ich zum Gebäckstück bitt',
dann bin ich zeitversunken.

Man trinkt mich stark, man trinkt mich schwach.
Ich mach' erschöpfte Menschen wach,
und bin wohl zur Vergnügung.
Das Mahlen und das Brühen, ach,
ist meines Schicksals Fügung.

Ich durft' ein Kaffeeböhnchen sein ...
Auf, Mahlwerk, mahl' ich pulverfein,
die Stunde ist gekommen."
Sprach 's aus und fiel ins Messer rein,
und ist drin umgekommen ...


(c) Bettina Lichtner

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