Sonntag, 1. Februar 2015

Zerfetzte Küsse



Wenn erst die Küsse die Lippen benetzen,
ach wie so federleicht fühlt sich das Herz.
Wenn aber Lippen die Küsse zerfetzen,
ach wie so schwer ist der Schmerz.

Sind erst die Worte mit Honig bestrichen,
ach wie geschmeichelt ist jeglicher Sinn.
Ist dann das Süße dem Sauren gewichen,
ist der Geschmackssinn dahin.

Haben die Blicke das Feuer entzündet,
ach wie die Glut doch durchs Aderblut zieht.
Wehe jedoch, wenn das Heiße verschwindet
und allzu plötzlich verglüht ...

Gab der Verstand die Moral aus den Händen,
ach wie betörend die Unmoral war.
Will der Verstand die Entgleisung beenden,
liegen die Fehltritte bar.

Küsse und Lippen - auf einmal verfeindet.
Worte und Blicke - auf einmal so fremd.
Schon ist der Schmerz mit der Stunde befreundet.
Schon trägt der Abschied das Hemd.



(c) Bettina Lichtner

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