Freitag, 27. Februar 2015

Wem 's gebührt



"Deine Ruhe möcht' ich haben!",
schreit das aufgeregte Huhn
hin zur Kuh (die sieht man traben,
denn sie hat sonst nichts zu tun).

Und das Huhn, es schnatt- und schnattert,
und die Kuh malmt still ihr Heu.
Bauers' Trecker dröhnt und rattert
und trennt Weizen von der Spreu.

"Bist du stumm, du Weißgefleckte?",
kreischt das Huhn in schrillem Ton.
Doch die Kuh genoss und leckte
sich das Maul vom roten Mohn.

Langsam wurd' das Hühnchen böse.
Und sein Herz kam außer Takt.
Doch das brausende Getöse
hat das Rindvieh nicht gepackt.

Kaut auf rechter, linker Seite,
hin und her und umgekehrt,
sieht bedächtig in die Weite
und genießt ganz ungestört.

Diese ungestörte Haltung
bringt die Weißglut in das Spiel.
Zwischen beiden kommt 's zur Spaltung,
doch das schert die Kuh nicht viel.

Und das Huhn, das flattert wilde.
Und die Federn fliegen raus.
"Kuh, was führst du nur im Schilde???",
schallt 's aus seinem Kropf heraus.

Doch die Kuh bleibt ganz gelassen.
Und das Huhn sieht hilflos zu.
Nun, ich will 's zusammenfassen:
Huhn macht Stress und Kuh liebt Ruh'.

Übertragen auf das Leben,
das der Mensch auf Erden führt,
kann sich folgendes ergeben:
Ruhe dem, dem sie gebührt!

Denkt ans Motto: Säen - Ernten.
Säe Stille, ernte Ruh'.
Was wir aus dem Reim nun lernten:
Sei das Huhn nicht! Sei die Kuh!!


(c) Bettina Lichtner

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