Freitag, 6. Februar 2015

Tyrannei



Du Krone der Schöpfung, wie führst du dich auf!?
Vergehst dich an allem in schändlichster Art.
Du spielst in der Welt einen kläglichen Part,
sogar noch im eigenen Tagesablauf ...

Verlierst die Geduld und verlierst dich im Zorn.
Verlierst deine Fassung, ja selbst das Gesicht.
Zu lieben, zu geben - du lernst es wohl nicht.
Wo immer du gehst, wächst am Wegrain der Dorn.

Egal, was ich nenne, 's trägt alles dein Blut.
Du zeigst mit dem Finger zum anderen hin?
Zeig erst auf dich selber! Schon wird die Luft dünn ...
Nicht einer auf Erden ist durch und durch gut.

Zwei Seiten in jedem! Nun tu doch nicht so,
als wäre der Teufel dir absolut fremd.
Auch du trägst die Hölle im tarnenden Hemd.
Gewiss auch den Himmel (nun bist du wohl froh).

Der platzende Kragen. Die schlagende Faust.
Erzähle mir nicht, du seist immerzu brav.
Die Wut liegt im lauernden, trügenden Schlaf,
und wenn du dich selber mal ehrlich beschaust,

dann reichst du doch ständig dem Teufel die Hand.
Mal fliegen die Fetzen, und mal das Geschirr.
Der Teufel in Fahrt! Und die Fahrt macht dich wirr.
Schon nistet der Zorn im sonst klugen Verstand.

Und andererseits, wenn die Sonne dir lacht,
dann wachsen dir Flügel. Der Engel tritt vor.
Die Liebe (die Liebe?) fliegt zaghaft empor,
und hat aus dem Wort eine Blume gemacht.

Gebührt uns die Krone? Ich zweifle dies an.
Der Liebe, der Liebe gebührt sie allein.
Doch werden wir niemals nur Liebende sein.
Und Schuld ist der Teufel. Verdammter Tyrann ...



(c) Bettina Lichtner

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen