Freitag, 13. Februar 2015

Tinte & Schreiberling



Die Tinte schreibt, was man diktiert.
Der Leser glaubt es oder nicht.
Mal wird er hinters Licht geführt,
mal liest er was, was ihn berührt ...
Entscheidend ist die Sicht.

Der Leser sieht was ihm beliebt.
Der Nächste sieht es andersrum.
Dass es so viele Sichten gibt
und jeder sich im Deuten übt,
nimmt 's Tintenblau nicht krumm.

Die Tinte schreibt und wehrt sich nicht.
Verweigert sich nicht dem Befehl.
Sie schreibt die Lüge, das Gerücht,
den Liebesschmalz, das Schmäh-Gedicht,
den Schmutz und das Juwel.

Der Leser glaubt, was blau auf weiß
vor seinem Blick geschrieben steht.
Er glaubt den allergrößten Sch.... (Mist)
weil er vom Wort gefesselt ist,
das ihm den Sinn verdreht.

Die Tinte und der Schreiberling,
die machen sich ein Spiel daraus.
Erfinden dies und jenes Ding,
und wenn 's die Leserseele fing,
dann gehen sie vergnügt nach Haus ---



(c) Bettina Lichtner

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