Sonntag, 8. Februar 2015

Reicher armer König



Der Gevatter klopft ans güldene Tor.
Und der König lugt verängstigt hervor.
"Lieber Tod, so lass mich leben.
Alles Gut will ich dir geben,
aber trag' mich nicht zum Himmel empor!!"
Der Gevatter aber lächelt: "Armer Tor ..."

Und der König flieht ins teure Gemach.
Und der Tod folgt in Gelassenheit nach.
Ist die Türe auch verschlossen,
die im Silberwerk gegossen,
er durchdringt sie und des Königs Mund sprach
(als die letzte Stunde ihm ins Auge stach):

"Lieber Tod, bedenke folgenden Deal:
ich vermache dir (und 's Erbe ist viel)
allen Reichtum, den ich habe
(eine wahrlich große Gabe)."
Doch der Tod hat nicht die Güter zum Ziel,
und erst recht hat er kein Mitleidsgefühl.

Und der König fleht ums Leben wie wild.
Gar zum Bettlerdasein ist er gewillt.
"Ach, was brauche ich die Krone,
wenn ich erst im Himmel wohne?
Ich geb' alles!!!!", hat er weinend gebrüllt.
Doch der Tod hat sich in Schweigen gehüllt.

Seht den König, der ans Leben sich krallt.
Hört sein Klagen, das durchs Königreich hallt.
Will die Zeit partout behalten,
doch des Todes Hände walten
unerbittlich und mit sanfter Gewalt.
Und im Schlosse wird es finster und kalt ....

Armer König, ganz umsonst war 's Geschrei.
Deine prunkvolle Zeit ist nun vorbei.
Hast gedacht, du könntest handeln
und des Todes Herz verwandeln,
aber Reichtum ist dem Tod einerlei.
Es kauft niemand sich vom Sterblichen frei.


(c) Bettina Lichtner

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