Mittwoch, 4. Februar 2015

Der liebe Lange



Der liebe lange Tag. Ein unbekanntes Land.
Noch unberührter, unbefleckter, unentdeckter Sand.
Er rieselt durch die Finger, wie gestern so auch heut',
der makellose Sand mit diesem schlichten Namen ZEIT.

Es hält der Tag nicht ein. Er kommt und sieht und siegt.
's ist wieder nur so einer, dessen Stunde mir verfliegt.
Vielleicht schlägt heut' die letzte. Wer weiß schon, was passiert.
Wer weiß schon, was der liebe Lange heut' im Schilde führt ...

Im schlimmsten Fall der Fälle erwischt mich kalt der Tod.
Bei günstiger Prognose färbt der Tag sich rosarot.
Ich lass' mich also fallen. Und warte, was geschieht.
Der liebe lange Tag singt mir gewiss das rechte Lied.

Es nehmen die Sekunden mich sacht in ihren Kreis.
Am Morgen sind sie kühler und am Abend sind sie heiß.
Doch weh', es dreht sich anders! Heiß morgens, abends kühl -
dann treibt vielleicht der Hass sein ach so bitterböses Spiel.

Vielleicht bringt er auch Tränen, der liebe lange Tag.
Vielleicht auch lauter Frohsinn, den ich eh viel lieber mag.
Ich weiß nicht, was er vorhat. Er rückt damit nicht raus.
Er knipst mir seine Lichter an und knipst sie wieder aus.

Mir bleibt nur, mich zu fügen. Egal, wie es auch sei.
Es schwebt trotz süßer Freude auch ein Wehgesang dabei.
Denn eines ist mal sicher: der Tag, zwar lang und lieb,
ist immer wieder einer, der dem Abschied sich verschrieb ....



(c) Bettina Lichtner


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