Mittwoch, 11. Februar 2015

Der Schrei der Lust



Der Lustschrei ist der schönste Schrei,
den wir auf Erden kennen.
Er schneidet jede Luft entzwei
und lässt den Atem rennen.

Sein umfangreiches Repertoire
diverser Höhenstufen
dringt durch die Wände zum Trottoir.
Man schimpft ihn als verrufen ...

Der Schrei, mal kurz, mal lang gefasst,
mal laut gebrüllt, mal leise,
geht nach des Aktes letzter Hast
auf seine Abschiedsreise.

Noch hallt er durch den Raum der Lust
für einige Minuten,
er, der aus voller Kehl' und Brust
sich löste nach dem Sputen.

Vom Lento zum Prestissimo
(verzeiht die Fachbegriffe),
vom langen A zum süßen O -
sind 's lauter feine Schliffe.

Er ist ein steigernder Genuss,
der Schrei. Und nach dem Schreien?
Als Sahnehäubchen noch ein Kuss?
Vielleicht auch ein Bereuen,

wenn 's gar ein Seitenspringen war?
(Vorm Beichtstuhl eine Schlange ...)
Dem Schrei ist 's gleich. Er freut sich gar
ob seines Klangs. Noch lange ...


(c) Bettina Lichtner

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