Donnerstag, 23. November 2017

November-Blues



Der November spielt den Blues.
Die betrübten Seelen tanzen
gegen Wehmut und Verdruss,
die sich tief im Herz verschanzen.
Von den Bäumen fällt das Laub,
sich dem Sterben zu ergeben.
Der Nordostwind fegt den Staub
vom bitteren Leben.

Meine Gedanken
sind gefangen im dunkelsten Tal.
Tausend Sorgen fliegen dauernd
im Kreis.
Tausend Ängste liegen lauernd,
und leis'
ziehen Stunden an Momenten vorbei,
ziehen achtlos vorbei.

Und die Welt versinkt im Grau.
Kalter Regen frisst mein Lachen.
Selbst der schönste Morgentau
will mir keine Freude machen.
Sonnenleerer Horizont.
Meine Stimmung tief am Boden.
Eine düstre Wolkenfront
und Sturm-Episoden.

Meine Gedanken
sind gefangen im dunkelsten Tal.
Tausend Sorgen fliegen dauernd
im Kreis.
Tausend Ängste liegen lauernd,
und leis'
ziehen Stunden an Momenten vorbei,
ziehen achtlos vorbei.

In der Küche dampft der Tee,
Keksgeruch zieht durch die Räume.
Drum, November-Blues: Adé !!
Ich versink' in süße Träume.
Eine Flamme hüpft vergnügt
auf der Kerze, mich zu wärmen.
Aller Kummer ist besiegt.
Ich komme ins Schwärmen ....

Meine Gedanken
waren eben im dunkelsten Tal.
Tausend Sorgen flogen dauernd
im Kreis.
Tausend Ängste lagen lauernd,
doch leis'
zog das Schwere an Momenten vorbei,
und die Seele wird frei.


(c) Bettina Lichtner

Dienstag, 21. November 2017

Mein gutes plattes Land - eine Ode an meine Heimat



Manchmal träume ich, ich reise um die Welt.
Von Paris bis Madagaskar, von Hawaii bis nach Peru.
In Gedanken flieg' ich hin, wo 's mir gefällt.
Und die Seele baumeln lassen, wäre alles, was ich tu.
Doch dann wach' ich auf und fühle
diese liebevolle Kühle,
und dann ist der große Rest mir ganz egal.
Im rau-herzlichen Nordwesten,
da gefällt es mir am besten.
Meine Seele baumelt hier ganz genial.
Und ich schlendere am weiten Nordseestrand.
Ach, wie lieb ich dich, mein gutes plattes Land.

Manchmal träume ich, ich reise um die Welt.
Doch beim Wandern durch die Moore und die Oldenburger Geest,
über Wiesen und das unendliche Feld,
wo du zwischen Jade-Weser-Port und Bauernhöfen stehst,
wo man Aal und Krabben häutet,
durch Kulturlandschaften schreitet,
und der heiße Tee dir alle Sinne wärmt,
du für Grünkohl Kilometer
durch die Straßen ziehst und später
deine Zunge von der grünen Palme schwärmt,
findest du die kleine Welt ganz interessant.
Ach, wie lieb ich dich, mein gutes plattes Land.

Manchmal träume ich, ich reise um die Welt,
wenn es wieder einmal regnet, im August so wie im März.
Doch dann seh' ich, wie der Nordische es hält:
denn er pfeift aufs schlechte Wetter und trägt stolz den Friesennerz.
Und dann geht er ins Theater,
oder nimmt dich wie ein Vater
an die Hand und zeigt dir Schlösser und Museen,
Opernbälle, Filmfestspiele,
ja, es gäbe da so viele
wetterfeste Möglichkeiten anzuseh'n.
Der Nordwesten trägt ein blühendes Gewand.
Ach, wie lieb ich dich, mein gutes plattes Land.

Ach, wie lieb ich dich, mein gutes plattes Land, 
wo die Menschen außen hart sind, aber innen butterweich.
Jede Stadt und jedes Dorf ein Diamant.
Paradiesische Gefilde gerade wie im Himmelreich.
Hier wird regional genossen.
Man ist weltlich aufgeschlossen.
Und das MOIN gehört von früh bis spät dazu,
wie auch hunderte Vereine.
Jedem Menschen hier das Seine.
Der Nordwesten lädt dich ein auf Du und Du.
Der Nordwesten ist so wunderbar charmant.
Ach, wie lieb ich dich, mein gutes plattes Land.
Ach, wie lieb ich dich, mein gutes plattes Land.


(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 16. November 2017

Würdelos


Im Massenstall ein Vegetieren.
Ein Schattendasein. Würdelos.
Wo Qual und Leid und Schmerz regieren,
wo Schreie sich im Nichts verlieren,
legt Gott die Hände in den Schoß.

Ihm wird der Zutritt strikt verboten.
Der Massenstall ist Teufels Reich.
Dort harren die lebendig Toten
der Todesfahrt durch Metzgerboten,
die grausam sind, statt herzensweich.

Die Hölle ist 's in Massenställen.
Ein Lager ohne Sonnenschein.
Derweil sich Fleischesser gesellen,
um Leichenteile zu bestellen
beim fröhlichen Beisammensein.

In Massenställen fließen Tränen.
Den Fleischessern ist das egal.
Sie witzeln drüber oder gähnen,
wenn einer kommt, um zu erwähnen
den Fakt der Kreaturenqual.

Ein feiges Volk, die Fleischgenießer,
genau wie Milch- und Eierfreaks.
Sie schimpfen die Veganer "Spießer",
doch diese Sünder werden Büßer
im miesen Spiel des Nahrungskriegs.

Im Massenstall kein Recht auf Leben!
Fürs liebe Wort ist dort kein Platz.
Dort gilt das einzige Bestreben
der schnellen Mast, da ist dann eben
das Schwein ein Nichts. Kein Kuschelschatz.

Dort streicheln keine netten Hände
das blasse Fell, das Federkleid.
Dort geht die Freundlichkeit zu Ende.
Und nach der Mast die harte Wende:
der Mord nach karger Lebenszeit.

Dann werden sie hinausgeprügelt
und angebrüllt mit derbem Wort.
Ihr Schicksal ist schon längst besiegelt.
Der Fleischesser diniert beflügelt,
und denkt nicht an den Schlachttransport.

Ein letzter Blick ins Himmelblaue.
Die frische Brise riecht so fremd.
Es singt der Fleischesser: "Ich kaue
so gern auf einem Steak und schaue
aufs Bratenstück ganz ungehemmt."

Der Metzger wetzt die scharfen Messer.
Er gibt der Kuh den Bolzenschuss.
Geliebtes Tier, nun geht 's dir besser ....
Die Qual vorbei!!! Die Tiere-Fresser
erwartet Gottes bittrer Schluss!

Nun hat der Teufel nichts zu sagen,
nun ist 's der Herrgott, der regiert.
Er gibt dem fleischgefüllten Magen
nach all den fleischgefüllten Tagen,
gerecht und treu wie 's ihm gebührt.

Nun leiden Menschen. Massenweise.
Und quälen sich und schreien auf.
Und Gottes Hand, sie waltet leise
und rächt die Tiere. Rächt die Speise,
die tierisch war. Und zwar zuhauf.

Die Ärzteschaft verordnet Pillen.
Im Krankenhaus, da tropft der Tropf.
Und ginge es nach meinem Willen,
ich packte diese Körperhüllen
gern schadenfroh am wirren Kopf.

Vom Massenstall ins Wartezimmer.
Vom Schlachthof ab ins kühle Grab.
Mein Mitleid kriegen jene nimmer,
die Fleisch gespeist. Auf ihr Gewimmer
schwing ich des Metzgers Prügelstab ...


(c) Bettina Lichtner



Montag, 6. November 2017

Gespinste


Die Zeitungsente lacht sich scheckig!
Sie fälscht sich durch das Druckpapier.
Der Leser mag es blutig, dreckig,
und öffnet jedem Fake die Tür.
Er frisst der Lüge aus der Hand ---
(Dem Leser fehlt es an Verstand ....)

Die ganze Welt scheint mir verlogen!
In jedem Apfel steckt ein Wurm.
Wir trügen selbst und sind betrogen.
Es weht ein starker Lügensturm,
wo immer Mensch auf Menschen trifft.
Wir mischen allerorten Gift.

Allmählich schwindet das Vertrauen!
Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht ...
Was wir auf Unwahrheiten bauen,
steht wackelig, bis es zerbricht.
Es singt die Lüge ihren Ton
mit siegender Faszination ...

Wir schimpfen über Journalisten,
und lügen selber wie gedruckt.
Wenn andre unsre Lügen wüssten,
wir hätten wohl beschämt geguckt.
Doch auch die andren - das steht fest -
bestehen keinen Lügentest.

Des Teufels Waffe ist die Lüge!
Mit ihr erobert er sein Reich.
Doch all die zweifelhaften Siege,
sie kommen dem Verderben gleich.
Wer lügt, der pfeift aufs Gott-Gebot.
Drum ist, wer lügt, ein Idiot.


(c) Bettina Lichtner

Samstag, 4. November 2017

Ich hab 's probiert ...


Ich hab 's probiert ....
Was ich probiert hab', wollt Ihr wissen?
Ich hab 's probiert ---- das Frösche-Küssen,
doch erst bei Nummer fünfund......dings,
da schmeckte es ganz leicht nach Prinz.
Schon dachte ich, es wär' der Rechte
(es wäre gut, wenn ich nicht dächte ...).
Mein Anspruch war bescheiden wenig
an den Erwählten, denn ein König,
der mich mit Diademen schmückt,
hätt' mich nur minimal entzückt.
Verrückt ....,
denn eigentlich sind Diademe,
ja eine schöne, angenehme,
doch unnötige Liebelei,
mit Neid und Eitelkeit dabei ...
Drum: kein Bedarf an Diadem!
Dem Prinzen war es nur genehm,
denn Gelder waren eng bemessen,
er hat auch gar kein Schloss besessen,
auch eine Krone trug er nicht,
er war eher einfach, Typus schlicht.
Sehr schlicht ...
Kein märchenhafter stolzer Retter,
mehr so ein Mann fürs schlechte Wetter,
der sich, sobald der Regen fällt,
zu Kerzenschein und Wein gesellt,
und am Piano sitzt und singt,
dass es die Seele zart durchdringt.
Ein Prinz mehr für die Innenwelten,
wo Diademe wenig gelten.
So schien er mir ein guter Fang.
Zumindest sieben Tage lang,
zu lang ...
Am achten Tag ist er verschwunden.
Ich hab' ihn nirgendwo gefunden,
er hat sich aus dem Staub gemacht.
Verfluchter Tag, Tag Nummer acht ...
Ein Zettelchen ließ er zurück:
er sein kein Typ fürs Eheglück
und wollte seine Freiheit wieder,
"auf ewig dein" sei ihm zu bieder.
Ich saß mit Wein beim Kerzenschein,
lud Selbstmitleid und Tränen ein,
allein ...,
und wollte niemals mehr was wissen
von irgendwelchem Frösche-Küssen.
Ein Prinz ist nicht mehr, was er war!
Dornröschen-Träume sind nicht wahr,
und Märchen sind nur Lug und Trug.
Von Prinzen hab' ich jetzt genug
und vom Piano-Rumgeklimper!!!
Mir fließt die Schminke von der Wimper,
ich heule mir die Augen raus,
denn ach, der Traum vom Prinz im Haus
ist aus ...


(c) Bettina Lichtner